Kategorie: Events, Musik, Tipps
pix Visuelle Kunst und elektronische Musik in Wien | sound:frame
Wien, die Stadt der Künste und der klassischen Musik geht mit neuen Clubs, experimentellen elektronischen Acts und einer starken VJ Szene mit der Zeit. Neue Veranstaltungsreihen, Ausstellungen und Festivals entstehen am laufenden Band – die Stadt wird von elektronischen Beats bis in die Morgenstunden durchzogen. Wenn sich die Partymenge frühmorgens in einem Traditionskaffeehaus wie dem Drechsler am Naschmarkt trifft vermischen sich alte Traditionen und neue Trends.

Wir hatten das Vergnügen mit Eva Fischer, der Kuratorin des sound:frame Festivals, das seit 26. März in Wien stattfindet, zu reden und haben uns dabei einige Insider Tipps für Wien geholt. Wer selbst sehen möchte worum es bei dem Festival geht hat bis Freitag noch die Chance bei einem der Events dabeizusein (siehe unten).

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Foto: sound:frame

Hallo Eva, du hast seit vier Jahren die künstlerische Leitung von einem von dir ins Leben gerufenen Projekt inne: dem sound:frame Festival. Das Festival findet  an unterschiedlichen Locations in Wien (u Steyr) statt und gibt vor allem österreichischen Musikern, VJs und Künstlern eine Plattform sich zu präsentieren. Vier Wochen lang bringen Ausstellungen, Konzerte, Performances, Diskussionen und Workshops zu dem diesjährigen Thema: „DIMENSIONS“ neuen Schwung in Stadt.

Wie unterscheidet sich das Festival heuer von dem ersten Festival vor 4 Jahren?

Das erste Festival 2007 war sehr klein, wenn man es mit der diesjährigen, vierten Version vergleicht. Ich habe eine kleine Ausstellung in der Künstlerhaus Passagegalerie kuratiert, bei der bereits ein kleiner Querschnitt durch die österreichische VisualistInnen-Szene gezeigt wurde. Das Rahmenprogramm war damals schon sehr umfassend (grinst) und wir haben in den paar Wochen sechs Abendveranstaltungen im Künstlerhaus Kinofoyer organisiert. Ich war gerade erst ein paar Monate in Wien zu dem Zeitpunkt, das Team war recht klein und wir haben auch noch nicht so wahnsinnig viele Leute gekannt. Wir sind regelrecht ins kalte Wasser gesprungen.

Aber die Unterstützung und Begeisterung war von Beginn an von so vielen Seiten da, dass sich das Festival zu einem so großen Event entwickeln konnte. Vielen Dank hier gleich zu Beginn an jede und jeden einzelnen, die und der im Laufe der paar Jahre dazu beigetragen hat!

Mittlerweile haben wir viele internationale KünstlerInnen und auch Gäste dabei und seit dem vergangenen Jahr steht das sound:frame Programm unter einem speziellen inhaltlichen Schwerpunkt. Letztes Jahr war das „Evolution remixed!“, heuer geht es mit „DIMENSIONS“ um den audio:visuellen Umgang mit Raum und räumlichen Strukturen.

Was waren deine persönlichen Highlights des sound:frame 2010 bisher?

Mein absolutes Highlight sind wie immer die Leute, die an dem Projekt involviert sind. Es sind so wahnsinnig enthusiastische Menschen im Team und auch unter den KünstlerInnen und KoperationspartnerInnen. Ich finde es in jedem Jahr wieder toll, was alles zu schaffen ist, wenn man gut zusammenarbeitet und sich gegenseitig unter die Arme greift!

Programmtechnisch ist das unglaublich schwierig zu sagen, da fast jedes Event auf seine Art ein Highlight war! Natürlich war ich überwältigt von der Karlskirchenbespielung und von den vielen BesucherInnen, die da waren. Das erste Wochenende war allgemein eines der tollsten der gesamten sound:frame Festivalgeschichte. Die Party im Fluc war stimmungsmäßig einfach unübertrefflich. Quarion, ein Live Act der Schweizer Drumpoet Community, der im letzten Jahr bei uns gespielt hat, hat mir ein paar Tage nach dem Event erzählt, dass Alex Dallas sogar davon gesprochen hat, dass es eine der besten Partys seines Lebens gewesen sei. Damit spricht er mir aus dem Herzen (lacht). Und das ist schon etwas ganz besonderes! Die Stimmung hat einfach bis zuletzt kein bisschen nachgelassen. Das hab ich auch selten erlebt!

Die Ausstellungen sind sehr, sehr fein geworden, da sind wirklich außergewöhnliche audio:visuelle Installationen zu sehen, die man in Wien nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt. Die Workshops und die Conference waren sehr gut besucht und sehr spannend. Die Kooperationen mit anderen befreundeten Clubs in Wien waren super!

Ich hoffe jetzt vor allem noch auf die Ottakringer Brauerei. So eine große Geschichte haben wir noch nie gemacht. Na, man darf also noch gespannt sein.

sf2010 opening karlskirchefassadenprojektion tagtool 260310 print 013 500x334 Visuelle Kunst und elektronische Musik in Wien | sound:frame

Foto: sound:frame

Das Festival befasst sich neben musikalischen Elementen vor allem mit visueller Kunst, Visuals werden an die Wand projiziert und Musik wird „sichtbar“ gemacht. Wie schlägt sich Wien im internationalen Vergleich, wenn es um Visuals in Clubs geht?

Wien und auch andere österreichische Städte wie Graz sind im internationalen Vergleich in jedem Fall ganz weit vorne. Vor allem auch, was die aktiven Frauen in der Szene betrifft. Das ist international nicht zu vergleichen. Es wird auch immer noch sehr viel für das Vorankommen der VisualistInnen-Szene getan. Da gibt es einige Zugpferde. Das fehlt anderen Städten wie Berlin zum Beispiel ein bisschen, kommt mir vor. Dort merkt man dann, dass die Visuals mittlerweile eher verschwinden und sich die VisualistInnen in andere Bereiche wie die Wirtschaft zurück ziehen.

Es muss aber auch in Wien noch einiges passieren, um die Situation für die VisualistInnen angenehmer zu gestalten. Wir sind immer noch diejenigen, die als erstes in den Club kommen und ihn als letztes verlassen.

Ich sehe die Zukunft auch ganz stark in der Installation oder im interaktiven Projektionsdesign – auch im Club. Da wird sich technisch und inhaltlich in den kommenden Monaten und Jahren noch einiges verändern. Es gibt unterschiedliche Zugänge, das Video-Mapping ist einer davon. Viele Einflüsse kommen auch aus der Street Art und immer mehr Bedeutung kommt mobilen Tools wie dem iPhone zu. Wir werden sehen, wohin sich die Szene entwickelt.

Als Tourist in Wien mit einem Interesse an elektronischer Musik und visueller Kunst – was kannst du empfehlen, was sollte man auf keinen Fall verpassen und – auf was kann man getrost verzichten?

Ich höre immer wieder, der Hype in der elektronischen Musik in Wien sei mit den 90er Jahren und mit Kruder&Dorfmeister vorübergegangen. Mag sein, dass es eine Art Flaute gab, aber die ist meines Erachtens definitiv vorbei. Zur Zeit entsteht unglaublich viel in Wien. Es gibt viele neue Clubs und VeranstalterInnen. Tolle junge ProducerInnen und MusikerInnen übernehmen das Ruder und immer mehr schaut auch wieder die übrige Welt auf Wien. Ich glaube, dass sich da ein neues Selbstbewusstsein aufbaut. Ein paar junge Wiener Namen, die man nicht verpassen sollte, wenn sie irgendwo spielen, sind in jedem Fall Leute wie channel-f, Dorian Concept, caTekk, Ogris Debris, Ken Hayakawa, Fauna oder Komaton. Es gibt tolle VisualistInnen, die mit ganz neuen Herangehensweisen punkten, wie etwa die Street Art Gruppe rund um Drawvolution oder VisualistInnen wie.mrt, Neon Golden und Motionlab oder wemakevisuals. Ein bisschen umhören, was sich gerade so tut, ist sicherlich nicht schlecht. Neben den großen, bekannten Clubs gibt es auch immer wieder kleinere Locations, in denen etwas Tolles passiert.

Wenn man sich wirklich für Visuelles interessiert, haben Locations, die bislang als Herzeigeclubs gehandelt wurden, wie etwa das Flex, ein wenig an Bedeutung verloren. Dort  gibt es leider selten außergewöhnliche visuelle Shows. Clubs wie die Pratersauna oder das Fluc legen da schon viel mehr Wert auf Abwechslungsreichtum.

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Foto: sound:frame

Auf welche Festivals freust du dich persönlich neben dem sound:frame dieses Jahr?

Wir haben heuer zum ersten Mal eine Kooperation mit dem Mapping Festival in Genf. Darauf freue ich mich sehr. Diesen Freitag wird das Mapping einen VJ-Floor bei uns in der Ottakringer Brauerei hosten. Dafür sind wir mit einigen Wiener VJs beim Mapping Festival im Mai vertreten. Auch beim Urban Art Forms werden wir den After Hour Floor visuell hosten. Auf die Zusammenarbeit mit dem Freakwave Festival Ende des Sommers freuen wir uns auch.

Außerdem schaff ich’s heuer endlich einmal zum Sonar nach Barcelona. Ich bin vor allem gespannt auf die Größe dieses Festivals.

Ich könnte jetzt noch viele Festivals aufzählen, die mich interessieren, wie das Shift in Basel, Cimatics in Brüssel, Optronica in London, etc. Mal sehen, wie viel sich da ausgeht (grinst).

Gibt es schon Pläne für das sound:frame Festival 2011?

Genug! Genaueres möchte ich aber jetzt einmal noch nicht verraten, solange das diesjährige Festival nicht einmal vorüber ist.

Und eine letzte Frage noch, da wir uns die Organisation eines 4 wöchigen Festivals zwar spannend aber auch mehr als nur ein wenig stressig vorstellen: Wohin geht dein nächster Urlaub?

Hmmm…. Urlaub… Wir werden Ende Mai ein Abendprogramm bei der EXPO in Shanghai realisieren. Danach bleiben wir noch fast zwei Wochen in China. Das kann man doch schon fast Urlaub nennen, oder? (lacht)

In jedem Fall habe ich mir vorgenommen, zumindest einen Monat im Jahr einen Gang zurück zu schalten um die Batterien wieder aufzuladen. Das wird im Juli passieren, da ist auch mein Geburtstag… Mal sehen, was sich dafür noch ergibt. Auf jeden Fall freu ich mich drauf!

Genauso wie ich mich drauf freue, danach wieder mit meinem Team an die weitere Ideenfindung und Umsetzung des fünften sound:frame Festivals zu gehen.

Danke für das Interview!

Veranstaltungshinweise: sound:frame Closing Event

Donnerstag 15.4.2010: Ottakringer Brauerei mit SofaSurfers live
Freitag 16.4.2010: Ottakringer Brauerei mit Luisine, Jori Hulkkonen, caTekk und vielen mehr live,  “Partystraßenbahn” ab 20:00

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One Trackback

  1. By sound:frame Festival in Wien | *vanilleah on 15. April 2010 at 13:44

    [...] von mir mit Eva Fischer am tripwolf Blog zum sound:frame [...]

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