Kategorie: Events
pix Being Virgins oder Burning Man 2010

Als wir losfuhren, habe ich 12 Stunden geschätzt, die anderen beiden 10 und 14. Das war ganz am Anfang unseres Trips, der Fahrt in einem RV (steht für Recreational Vehicle, so nennt man in Amerika Wohnwägen) von San Francisco nach Black Rock City, oder „Playa“, mitten in der Black Rock Desert, Nevada.

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Man trägt, was gefällt. Foto: C. J. H.

Die Reisedauer haben wir alle ziemlich unterschätzt, was vielleicht daran lag, dass wir sehr früh aufgestanden waren und nicht genug geschlafen hatten. Vielleicht auch, weil wir alle vergessen hatten, wie unendlich groß amerikanische Supermärkte waren und wie viel wir noch besorgen mussten. Vorallem aber waren wir aufgeregt dem gegenüber, was um am Ziel unserer Fahrt erwarten würde.

Denn wir waren „Virgins“.

So nennt man diejenigen, die zum ersten Mal zum Burning Man Festival kommen, die das erste Mal die magische Grenze des Gates in der Wüste überschreiten. Die Begrüßung „Welcome home“ stieß bei uns auf wenig Emotion, als wir dann endlich nach ganzen 16 Stunden Fahrt, einem Stop bei Walmart in Reno und einem weiteren beim Reno Bike Project, am Playa ankamen. Mit mindestens 2 Gallonen Wasser pro Person und Tag, 3 nagelneuen gebrauchten Fahrrädern und 3 totmüden Passagieren rollte unser 39 Fuß (rund 13 Meter) Gefährt um 4 Uhr morgens über die Grenze. Die Lady, die uns begrüßte und das Innere unseres RVs inspizierte, um nachzusehen ob wir auch tatsählich 3 Passagiere waren (entsprechend den drei 300 Dollar Tickets die wir schon Wochen vorher online gekauft hatten) sah aus wie der Madhatter aus Alice in Wonderland und um uns herum standen gefühlte Heerscharen anderer Großraum-Gefährte, die wie wir 4 Stunden im Staub gewartet hatten, um zu passieren.

Dann waren wir drin. Fuhren mit den vorgeschriebenen 5 Meilen pro Stunde Richtung 7:30 und Istanbul. Denn diese „Adresse“ hatten wir von einem Freund bekommen, der zu der Zeit mit einer fünfköpfigen Truppe die Reise aus Los Angeles angetreten hatte, um uns dort zu treffen. Es war 4 Uhr in der Früh.

just another day in BlackRockCity 500x325 Being Virgins oder Burning Man 2010Sternförmige Strassen. Foto: C. J. H.

Nachdem wir einen Platz in der Nähe der Kreuzung der Strassen 7:30 und Istanbul gefunden hatten (die Strassen die den Halbkreis stern-förmig aufteilen sind Uhrzeiten, die, die dem Halbkreis folgen Buchstaben, in unserem Fall also I), fielen wir ersteinmal in einen traumlosen Schlaf.

Was dann folgte war wohl eines der unglaublichsten Erlebnisse, das wir alle jemals erlebt haben…

IMG 0329 500x375 Being Virgins oder Burning Man 2010Aussicht vom Mann Richtung Camp. Foto: AVQ

Das Burning Man Festival, das im Jahr 1986 seinen Ursprung findet, wird jährlich von ein paar Idealisten in dem Naturschutzgebiet der Black Rock City organisiert und für eine Woche, der ersten September Woche, herrscht dort Ausnahmezustand. Doch der wundervollsten Art, die man sich nur vorstellen kann.

Vibe, Einigkeit und Utopia

Vielleicht liegt es daran, dass Black Rock City nur schwer zu erreichen ist, vielleicht liegt es daran, dass man dorthin alles selbst mitnehmen muss, was man während der Woche zum Leben braucht (beim Burning Man kann man nämlich nichts mit Geld kaufen), vielleicht ist es die Angst vor der Hitze oder vor den Sandstürmen. Ich weiß nicht, was es ist, dass die Menschen, die nicht nach Black Rock City passen, davon abhält, zum Burning Man zu fahren. Fakt ist, dass die rund 50.000 Menschen, die sich dort versammeln, ein gemeinsamer Vibe verbindet, vielleicht ein gewisser Glaube an Utopia.

IMG 0580 500x375 Being Virgins oder Burning Man 2010Die Sonne geht unter und mitten in der Wüste steht ein weißer Flügel. Foto: AVQ

Nach meiner Rückkehr in die „normale“ Welt wurde ich jedenfalls oft gefragt, wie es war in der Wüste und meine Antwort war meist: „fahr selbst hin.“ Denn die Bilder, Eindrücke, Emotionen, die man um 7 Uhr in der Früh hat, wenn die Sonne aufgeht und man mit wildfremden Menschen in den wahnwitzigsten Kostümen Arm in Arm auf dem kargen Wüstenboden sitzt und sich am wunderschönen Licht freut, wenn man mit dem Rad Nachmittags in die Wüste fährt und sich die teils unglaublich aufwändigen Kunst-Installationen ansieht, die rein durch Idealismus und Freude am Schönen getriebene Menschen viele hunderte Meilen in die Wüste transportiert haben, oder vor riesigen Visual-Walls stehend zur Musik der besten Djs, die Amerika zu bieten hat tanzt, kann man einfach nicht erklären.

Nicht genug Wasser…

Man kann es auch niemandem erklären, dass es vollkommen unwichtig ist, dass einem am 2. Tag das Duschwasser ausgeht und man sich einfach mit feuchten Tüchern wäscht, dass man tagsüber und im gleißenden Sonnenlicht in buntesten Kostümen mitten in der Wüste sein Rad in den Staub wirft, um zur Musik aus einem fahrenden Piratenschiff zu tanzen, dass man fremden Menschen, aus Südkorea, Israel oder Südamerika erlaubt, einen fest zu umarmen, dass es Leute gibt, die zehntausende von Dollarn ausgeben um Bars zu bauen und hunderte Liter Getränke zu verschenken, das es ein Hotel aus wunderschön gestalteten Tipis gibt, und man die Übernachtung nur in einer Tombola gewinnen kann.

IMG 0633 500x375 Being Virgins oder Burning Man 2010Nachts: NEON! Foto: AVQ

Und wer glaubt, dass Burning Man nichts anderes als eine Riesen-Party von und mit einem Haufen verrückter Hippies und ein paar rich Kids auf Acid ist, der sollte sich das Ganze vielleicht selbst anschauen oder nach Ibiza fahren, wo alles in bekannten Bahnen verläuft. Mir hat am 3. Tag ein Iraner, der so freundlich war, mir seinen Drachen zu überlassen, den ich dann eine Stunde steigen liess um mich an dem Kontrast seines Weiß gegen den wolkenlosen und strahlendblauen Himmel zu freuen gesagt: „If you come out here, you get what you’re looking for.“ Und das trifft es wohl am besten. Was ich gefunden habe?

I found sheer and pure happiness.

IMG 0395 500x375 Being Virgins oder Burning Man 2010Der schönste Moment des Tages: Der Sonnenaufgang. Foto: AVQ

Hier sind noch einige Dinge, die jeder wissen sollte, der zum Burning Man fährt:

–       Früh buchen, und zwar nicht nur die Flüge. Wer nicht im Zelt schlafen will, sollte sich bereits im Juni/Juli um einen Wohnwagen in San Francisco, Los Angeles, Las Vegas oder Reno kümmern (außer die monetären Mittel lassen tausende Dollar Mietkosten zu)

–       Tickets: kauft man am besten auch früh (geht nur online) und lässt sie sich an eine Adresse in Amerika schicken (kein internationaler Versand) die sie dann weiterschicken

–       Viel Wasser mitnehmen: mindestens 2 Gallonen pro Person/Tag Trinkwasser. Zum Duschen/Waschen so viel Wasser wie das Gefährt tragen kann

–       Es wird kalt Nachts: üblicherweise ist es tagsüber sehr heiß, Nachts kann es bis zu 5 Grad runterkühlen, also einen warmen Schlafsack und warme Klamotten mitnehmen

–       Sandstürme: dieses Jahr hatten wir Glück, aber es ist wichtig, sich Schutz in Form von Brillen oder Masken mitzunehmen. Denn der Staub ist fein und der Wind kann ziemlich schlimm werden.

–       Fahrrad: unbedingt notwendig, denn das Arial ist RIESIG. Viele der schönsten Kunstinstallationen sind mitten in der Wüste und es ist viel einfacher, auf Entdeckungsreise zu gehen wenn man einen fahrbaren Untersatz hat.

–       Kameragehäuse: der Playa Dust ist sehr feiner Staub, der überall reinkriecht. Kameras unbedingt abdichten.

–       Trinkgefäß: Es gibt viele tolle Menschen, die Drinks verschenken, auch Cafe und Tee. Aber da auf dem Playa die strenge Regel gilt, keinen Müll zu hinterlassen, fehlen überall Becher. Am besten immer einen zum Zuschrauben dabei haben.

–       Kostüme: eine der visuell wertvollsten Attribute des Burning Man sind die Kostüme. Es kann nicht bunt und schrill, kreativ und verrückt genug sein.

–       Geschenke: die Menschen beim Burning Man sind eine „Gifting Society“ und es fliesst kein Geld. Es ist wunderbar, wenn man den vielen Menschen, die einem etwas schenken etwas zurückgeben kann. Einfache Geschenke sind coole Aufkleber, Feuerzeuge, Labellos, (hitzeresistente) Süßigkeiten, Glow-Sticks o.ä.

–       Zettel und Stift: Telefone funktionieren nicht. Deswegen ist es wichtig, Nachrichten hinterlassen zu können.

pixel Being Virgins oder Burning Man 2010

6 Comments

  1. sonja
    Posted 8. November 2010 at 10:32 | Permalink

    so cool!!!! great pics, alex!!!!

  2. Martin
    Posted 9. November 2010 at 03:07 | Permalink

    Verdammt, ich muss da hin..!

  3. papa
    Posted 9. November 2010 at 11:08 | Permalink

    schön und informativ ge- und beschrieben. bin schon zu alt, ich könnte mir sonst vorstellen, es würde mir dort auch mal gefallen.

    papa

  4. Kadl
    Posted 10. November 2010 at 12:24 | Permalink

    HERZRASEN – bekommt man, wenn man die kleinen Ausschnitte eures Erlebten sieht und liest!
    Ich hoffe nächstes Jahr mit dabei sein zu können und diese farbig, staubigen Eindrücke ebenfalls durch meine Augen mein Gemüt berieseln zu lassen.

    Vorsichtig, reflektiv, aber dennoch voller Energie beschreibst du dieses fast schon “once in a lifetime” Erlebnis – auch für solche, die noch nie dort waren – dennoch verständlich!
    Du schreibst wundervoll! (Aber das weisst du ja glaub ich)

    Papa: Du kommst mit ;-))))

  5. Sandhaus
    Posted 11. November 2010 at 14:58 | Permalink

    AvQ – that’s YOU!
    Jetzt verspür sogar ich Lüste das einmal zu erleben…
    Wie Deine Family schon sagt, wunderbar, informativ und mit soviel Energie und Begeisterung geschrieben – einfach wunderbar!
    Ich wünsche mir noch viel mehr von Deinen Erlebnissen und Reisen zu lesen, hören und gemeinsam zu erleben!

  6. Melanie Pörschmann
    Posted 19. Februar 2011 at 09:39 | Permalink

    … wunderbar geschrieben…, tolle bilder, danke!!!. Ich bin endlich dabei dieses jahr und die vorfreude steigt täglich :-) Ist jemand hier, der die gleichen pläne hat? Bin dabei mich zu organisieren, einen camper zu mieten… Will nach Frisco fliegen und von dort aus los. Möchte jemand mit? Bitte melden unter m.poerschmann@t-online.de
    Melanie

One Trackback

  1. […] tripwolf war  schon 2010 am Playa, was Bloggerin Alexandra darüber erzählte, findet Ihr hier:  http://www.tripwolf.com/de/blog/2010/11/08/being-virgins-oder-burning-man-2010/ […]

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