Kategorie: Tipps
pix Smaragd Fieber: 10 Orte, an denen man selbst einen Edelstein finden kann

Mit Kindern gibt’s immer wieder Neues zu entdecken?! Ich könnte kaum einer Aussage so zustimmen wie dieser. Wer mir nämlich vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich einmal mit einem Metallsieb und einer kleinen Schaufel bewaffnet, Gummistiefel an den Füßen im eiskalten Wasser sitzen und buchstäblich im Schlamm wühlen würde, den hätte ich wohl für verrückt erklärt.

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Sieb, Gummistiefel, Schaufel, ein scharfes Auge und jede Menge Geduld – das sind die Zutaten für eine erfolgreiche Smaragdschürfaktion. Foto: Doris Neubauer

Doch genau das habe ich letztes Wochenende im Salzburger Habachtal mit dem Sohn meines Freundes getan. Wie schon die Ägypter im 13. Jahrhundert vor Christus waren auch wir auf der Suche nach Smaragden, dem sogenannten Grünen Feuer. Wo man – abgesehen von den Hohen Tauern – sonst noch diesen begehrten Edelstein findet, das könnt Ihr hier nachlesen:

1. Muzo und Coscuez, Kolumbien:

Die wohl wichtigsten Lagerstätten weltweit lassen sich noch immer in Kolumbien, das heute noch mit etwa 60% der Weltproduktion das führende Produktionsland für Smaragde ist, finden: Seit der vorspanischen Zeit im 16. Jahrhundert ist die Mine in Muzo in der Provinz Boyacá (ca. 6 Stunden von der Hauptstadt Bogota entfernt) für die leuchtendsten, wertvollsten und Farb intensivsten Steine bekannt. Und die Menschen hier wie auch im 10 km entfernten Coscuez, das drei Viertel des Grünen Goldes „produziert“, leben von und für den Smaragdabbau: 75% der Bevölkerung sind direkt oder indirekt mit dem grünen Gold beschäftigt. Frei nach dem Lebensmotto der meist nur in provisorischen Biwaksiedlungen tätigen Schürfer oder Guaqueros, wie sie genannt werden: „Me enguaco y me voy.” (ich werde reich und dann gehe ich). 30.000 davon sind täglich auf der Suche nach ihrem Glück. Kein Wunder, lässt sich doch in Kolumbien nirgendwo schneller Geld machen als mit Drogen oder eben mit der Smaragdsuche. Allerdings ist in der Region selbst wenig von Glamour oder Reichtum zu entdecken: Gewalt, Prostitution, Glücksspiel, Alkohol stehen an der Tagesordnung. Reich wird wohl nur die Bergwerkgsgesellschaft, die die Mine derzeit bewirtschaftet.

2. Russland:

Die russische Region Ural ist schon seit 1700 für ihre Schätze berühmt: Topase, Goldberylle, Amethyste,… und eben auch Smaragde sind hier zu finden beziehungsweise jetzt zum Beispiel im Louvre in Paris zu bewundern. Etwa 100 km nordöstlich von Ekaterinenburg ist das derzeit wichtigste Bergbaugebiet, wo man angeblich ebenso schöne Smaragde wie in Kolumbien schürfen kann. Berühmt ist der 11.000 Karat schwere, intensiv grasgrüne Kochubey-Smaragd, der 1831 geborgen wurde und heute im Fersman Museum liegt.

3. Brasilien

Eines der smaragdreichsten Länder ist Brasilien – die große Herausforderung hier ist aber die Erschließung der Kristalle. Die reichsten Lagerstätten des Landes sind im Nordosten zu finden, der Campo Formoso Distrikt mit Salininha und Carnaiba in Bahia zum Beispiel. Die  Grube Carnaiba bei Pindobaçu soll sogar die größte Smaragdlagerstätte der Welt sein. Dort wurde auch der mit 86.136 Karat Gewicht bisher größte Smaragd gefunden. Weniger für die Größe als für die Farbe sind hingegen die Steine bekannt, die in Santa Terezinha zu schürfen sind.

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Ob jung oder alt, Frau oder Mann – Achtung, das Smaragdfieber kann jeden packen! Foto: Doris Neubauer

4. Spanien:

Nicht nur Südamerika, auch Europa punktet mit Smaragdvorkommen: Zum Beispiel nahe dem spanischen Dorf A Franqueira, ca. 45 km östlich von Vigo in der Provinz Pontevedra, Region Galicia. Tiefdunkelgrün und mit bis zu 10 cm groß sind die Smaragde dort. Übrigens: In Spanien hat man noch eine Chance auf Funde, denn das Vorkommen von Smaragden ist dort wenig bekannt…

5. Madagaskar:

Grünes Gold kommt auch aus dem kleinen afrikanischen Land Madagaskar: Mananjary heißt der bekannteste Smaragddistrikt in der Region Vatovavy-Fitovinany, Provinz Fianarantsoa im zentralen Hochland der Insel. Die ersten Funde wurden dort bereits in den frühen 1960er Jahren gemacht. Erst 2007 aber wurde eine der weltgrößten Smaragdstufen mit den Maßen 125 x 78 x 55 cm in der Grube Morafeno geborgen. Wer in Madagaskar fündig werden möchte, der braucht jede Menge Geld, denn : Es gibt schließlich weder eine stabile Infrastruktur noch eine funktionsfähige Telekommunikation.

6. China:

1984 erst wurden in China die ersten – hellgrünen bis gelblichgrünen – Smaragde bei Dayakou im Wenshan-Gebirge in der Provinz Yunnan entdeckt. Weitere 16 Jahre später, ab 2000 nämlich, wurden dann im kleinen Ort Davdar nahe des Kunjerab-Passes an der Grenze zwischen Pakistan und China sowie nahe der Stadt Tashkurgan im Süden von Xinjiang Smaragde abgebaut. Nachdem das Ganze bis 2005 illegal passierte, wurden sie als pakistanische Steine verkauft. Seit 2007 werden die Lagerstätten auf einer Höhe von 3.673 m ganzjährig bearbeitet.

7. Afghanistan:

Dunkelgrüne Smaragde in der Qualität ähnlich der Steine von Muzo in Kolumbien lassen sich in Afghanistans Edelsteinlagerstätten finden: In Hindukush im nordöstlichen Teil des Landes, nördlich und östlich der Hauptstadt Kabul oder im Panjshir-Tal im Distrikt Hessa-e-Say in der Provinz Parvan auf Höhen zwischen 3.000 bis 4.000 m. Entdeckt 1970 von russischen Geologen gibt es aber in Sachen Smaragde schlechte Nachrichten – zumindest für Ausländer: Nicht nur dass die Gruben erst nach mehrstündigem Marsch zu Fuß erreicht werden können, gehören die Abbaurechte der afghanischen Regierung und sind für Fremde gesperrt. Ausnahmen ausgenommen versteht sich.

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Neben Smaragden findet man noch jede Menge anderer Steine, wertvoll oder weniger wertvoll. Foto: Doris Neubauer

8. Indien:

Smaragde sind für ihre grüne Farbe bekannt – nicht so in Indien: Hier hat das „grüne Golde“ eine leichte Blaufärbung. Finden kann man sie im Nordwesten nahe Ajmer und Udaipur in Rajahstan vor. Die großen Steine, die die indischen Mogule wie auch der Erbauer des Taj Mahal, so liebten, kamen allerdings … aus Kolumbien, in Form von Geschenken an die königlichen Herrscher.

9. Pakistan:

Im Swat-Tal in der Northwest Frontier Province (NWFP) in Pakistan sind angeblich genauso schöne und qualitativ hochwertige Smaragde zu finden wie im bekannteren „Smaragdparadies“ Kolumbien. Und mit „nur“ 9 Millionen Jahren liegt auf 4.500 m am Khaltaro im Haramosh-Gebirge (Kaltoro, Ryjud) im Distrikt Gilgit, Northern Areas, eine der jüngsten Smaragdlagerstätten der Welt. Dennoch ist die Smaragdindustrie in Pakistan noch relativ klein, was einerseits daran liegt, dass keine fortgeschrittenen Abbaumethoden eingesetzt werden und andererseits auch keine Vermarktung stattfindet.

10. Österreich:

Last, but definitely not least: Seit der Bronzezeit werden im heutigen Naturschutzgebiet Habachtal in den Hohen Tauern schon Smaragde geschürft und gefunden haben. Auch im alten Rom war der sogenannte reine „Habachtaler“ angesehen, hatte doch sogar Kaiser Nero einen Smaragd aus den österreichischen Bergen, der – zu einem Monokel geschliffen – ihm bessere Sehschärfe verlieh. Nur hier und in Ägypten war zu der Zeit Smaragdvorkommen bekannt. Der Bergbau auf einer Höhe von ca. 2.180 m wurde jedoch erst 1860 begonnen – mit mäßigem Erfolg: Die meisten Smaragde sind oft qualitativ minderwertig und zu klein, um sie als Edelsteine zu verschleifen. Heute ist das Bergwerk stillgelegt, die privaten „Schatzsucher“ sind fleißig am Schürfen.
Die bekanntesten „Habachtaler“ befinden sich im Stift Mattsee, im Salzburger Dom (die Monstranz aus dem Jahr 1697 enthält 24 Smaragde) sowie in der Sammlung der kaiserlichen Kroninsignien in Wien (große tafelige Steine). Der größte je verschliffene Smaragd aus dem Habachtal wiegt 42 Karat und ist Teil der britischen Kronjuwelen im Tower von London.

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Wer sieht ihn?! Die “Ausbeute” eines ganzen Tages – jaja, das Schürfen ist eine anstrengende Angelegenheit! Foto: Doris Neubauer

Achja, wer sich jetzt fragt, wie es uns bei der Smaragdsuche gegangen ist: Gefunden haben wir wirklich etwas! Ganze drei Steine haben wir zu viert geschürft… . Sie sind so groß wie ein Ohrstecker, alle drei zusammen, wohlgemerkt!

Mehr zu Smaragden:

http://www.skielka-designschmuck.de/lexikon/smaragd/index.php3

http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Mineralienportrait/Beryll/Smaragd

http://www.smaragd-smaragd.de/smaragd_mineralien.htm

Mehr zum Habachtal erfährt man zB auf der Seite des Salzburger Landes.

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