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pix 100 Tage zu Fuß durch Deutschland | Jens Franke im Interview

Jens Franke war 100 Tage zu Fuß durch Deutschland unterwegs. Seine Reise konnte man von Ende Juli bis Anfang November 2011 live auf seinem Blog und auf Facebook mitverfolgen. Auf seinem Blog sind bisher die Tage 1 bis 43 liebevoll dokumentiert erschienen, geschmückt mit Fotos, die so richtig Lust auf Urlaub in der Heimat machen. Jens treuer Begleiter auf den 1.695 839 zurückgelegten Schritten war Aiko, ein sibirischer Husky.

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Jens Franke und Aiko waren 100 Tage durch Deutschland unterwegs. Foto: Jens Franke

Lea/tripwolf: Jens, du bist 100 Tage zu Fuß durch Deutschland gegangen und hast damit einen Heimaturlaub zu einem kleinem Abenteuer gemacht. Wie ist die Idee dazu entstanden und was hat dich bewegt diesen ungewöhnlichen Urlaub in die Tat umzusetzen?

Der Ursprung der Idee war, dass ich mir nach 10 Jahren Arbeit einen längeren Urlaub gönnen wollte. Motiviert von einigen Weltenbummlern in meinem Freundeskreis schwebten mir auch erst ferne Länder oder der bekannte hohe Norden vor.

Als Dauer hatte ich initial an zwei oder drei Monate gedacht, aber das klang mir zu gewöhnlich. Da ich in meinem Leben immer probiere alles mit 100% zu machen, stand auf einmal die Zahl 100 im Raum und die fühlte sich sofort richtig an.

Aus den fernen Ländern wurde die Heimat Deutschland. Eine Heimat, von der ich vor allem im süddeutschen Raum wenige der landschaftlichen und kulinarischen Schätze, Geschichte und Brauchtümer kannte. Zudem gab mir Deutschland das Gefühl, dass die Anreise mit Hund deutlich leichter wäre, er immer willkommen sein wird und auch seine Verpflegung kein Problem werden würde.

Du bist auf deiner Reise, ua weil du auf ein Zelt verzichtet hast, sehr vielen Menschen begegnet. Gibt es eine Begegnung, die dir besonders positiv im Gedächtnis geblieben ist?

Es gibt unzählige Geschichten, aber die erste, die mir spontan einfällt ereignete sich an einem Morgen in Thüringen. Auf der Werrabrücke in Creuzburg fragte mich ein älterer Herr mit Fahrrad, woher ich meinen Apfel habe. Stolz zeigte ich auf die entfernten Bäume am Wegesrand. »Die sind noch nicht richtig reif, oder?« Bevor ich die Frage bejahen konnte, öffnet er seinen Fahrradkorb und reicht mir drei Äpfel, die meine Äpfel wie in plastikgepackte Supermarkt-Äpfel erscheinen lassen. Ein kurzweiliges Gespräch folgte. Mit den besten Wünschen für den noch jungen Tag trennten sich unsere Wege wieder, doch noch viele Tage dachte ich an diese herzliche Begegnung.

100 Tage – 100 Betten. Welche Nacht war die unbequemste?

In der heutigen Rückbetrachtung hatte jedes Bett etwas Erholsames, aber als Gast oder Fremder für eine Nacht mit Hund hatte man selten die Suite des Hauses bekommen. Ein Bett in der Fränkischen Schweiz erinnerte mich damals stark an ein Bett der 7. Zwerge. Gefühlt 140cm in der Länge, 60cm in der Breite und 80cm hoch. Die gleiche Höhe hatte die Bettdecke – ein Traum im Federkleid – an diesem herrlich warmen Sommertag. 

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Foto: Jens Franke

Oje, das klingt nicht gerade nach einer erholsamen Nacht. Und welche Nacht war die bequemste?
Die Betten, wo meine Freundin an meiner Seite lag.

Du hast dich während der Reise hauptsächlich von regionalen Produkten ernährt, was waren denn so die kulinarischen Highlights?

Mein Credo war, lieber günstig übernachten, aber eine ordentliche Mahlzeit pro Tag. Für bleibende Erinnerung sorgten folgende Gerichte:

– Kastaniencremesuppe mit Walnussbrot im Gasthof zum Lam in Gleiszellen.

– Flammkuchen mit Meerrettich und Rote Beete im Kirchstübel in St. Martin, Pfalz.

– Saibling mit Gurken-Kartoffel-Ragout und Djonsenfsoße im “Zum Roten Bären” in Freiburg.

– Velouté von Muskatkürbis mit gebratener Jakobsmuschel und süß-saurem Kürbis im Hotel Traube-Tonbach in Baiersbronn.

– Spinat-Nockern mit Nussbutter und Parmesanhobel in der Kenzenhütte in den Ammergauer Alpen.

– Bruchschokolade von dem Cocolatier Marc Antoine/ Confiserie Läderach in Dillenburg-Manderbach.

– Kaiserschmarrn mit Apfelmus im Watzmannhaus.

– Frische Buttermilch in den Alpen, alkoholische und nicht alkoholische Getränke aus den Weinbergen der Pfalz, die Biere im Frankenland und das süffige dunkle Bier aus dem Kloster Weltenburg – der ältesten Klosterbrauerei der Welt – waren die flüssigen Höhepunkte der Reise.

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Foto: Jens Franke

Okay, jetzt haben wir Hunger. Das klingt ja fantastisch gut! Hat sich denn auf den 100 Tagen auch so etwas wie eine Routine eingestellt?

Das Einpacken des Rucksacks hatte am Ende etwas Meditatives – es hätte selbst mit verbundenen Augen geklappt.

Da du ja durch das eigene Land gereist bist, ist der Kulturschock, wie man ihn von Fernreisen kennt, wohl ausgeblieben. Wie war es für dich nach 100 Tagen, plötzlich nicht mehr zum nächsten Ort zu marschieren?

Das Wort Schock ist zwar nicht passend, aber ich war schon oft überrascht, wie viele unglaublich unterschiedliche Gesichter Deutschland auf so engen Raum zu bieten hat.

Das Gefühl den letzten Schritt gemacht zu haben berührte mich tief, aber die Vorfreude über die lieben Menschen zu Hause war groß. Die ersten Tage erfreute man sich über die ständige Verfügbarkeit von Essen und Trinken und verdrängte die Neugier auf das täglich Neue. Inzwischen bin ich umgezogen und der Reiz des täglichen Entdeckens ist vergleichbar mit dem Gefühl der 100 Tage.

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Foto: Jens Franke

Was würdest du anderen raten, die auch eine ähnlich lange Reise zu Fuß planen wollen?

1. Plant ausreichend im Vorfeld, den es ist ein wichtiger und schöner Teil der Reise.
2. Eure Neugier ist ein wichtiger Motor auf Reisen und seid stehts offen für Planänderungen.
3. Bewegt Euch respektvoll auf euren Pfaden und habt auch die nötige Demut vor den Gewalten der Natur.
4. Habt den Mut und geht los – die Kondition kommt schon mit der Zeit!

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Herbstkitsch zum Eintauchen made in Germany. Foto: Jens Franke

Gibt es schon Ideen für ein weiteres Nachfolgeprojekt?
Ich würde lügen, wenn während der Reise nicht schon weitere Ideen entstanden wären. Aktuell liegt mein Fokus aber immer noch auf den Reiseerzählungen der aktuellen Tour. Fest steht aber, dass es nicht die letzte Tour dieser Art war. Ich bin selbst gespannt wie lange die Vernunft über die Abenteuerlust siegt.

Vielen Dank Jens für das interessante Interview!
Hier noch ein kleiner Tipp für alle, die gleich erste Pläne schmieden wollen: auf der Website des 100 Tage Deutschland Blogs gibt es eine ausführliche Seite mit vielen Fragen & Antworten. Wir hoffen spätestens wenn die Abenteuerlust über die Vernunft siegt wieder von Jens zu hören ;)

Link: http://100tage.jensfranke.com (das Projekt hat auch eine eigene Facebook Seite)

Interview: Lea Hajner

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