Kategorie: Tipps
pix Pannonische Naturerlebnistage – Teil 1: Ins wilde Südburgenland

Ende April lud Burgenland Tourismus eine bunte Truppe von Reisebloggern zu den Pannonischen Naturerlebnistagen. Alle, die wir im Miet-Taxi in Richtung Südburgenland sitzen, sind vielgereiste Weltenbummler und haben schon so einiges erlebt, vom USA-Westküsten-Roadtrip bis hin zur kompletten Weltreise. Belächelt wird das gelegentlich nicht für ganz voll genommene östlichste und einwohnerärmste Bundesland aber nicht, im Gegenteil: Rasch stellt sich heraus, dass jeder von uns das Burgenland in einer bestimmten Weise schätzt, sei es durch Kindheitserinnerungen an Neusiedler-See-Urlaube, Bundesheer-Grenzschutzeinsätze oder ausgiebige Fahrradtouren. Und jeder ist gespannt darauf, die Region, von deren Potenzial zum aufstrebenden Freizeit-Reiseziel im Zentrum Mitteleuropas wir überzeugt sind, näher kennenzulernen.

Am Ende des GPS – ein Trip ins „wilde“ Südburgenland

Zunächst aber werden wir an die relative Abgeschiedenheit des südlichen Burgenlands erinnert. Die Pannonischen Naturerlebnistage beginnen dort, wo das GPS an seine Grenzen stößt. Unser ratloser Fahrer strandet ausgerechnet in einem Dorf namens „Welten“. Nicht, dass es am Ende der Welt läge, doch wenige Landstraßenkilometer weiter südlich stößt das österreichische Staatsgebiet bereits an die ungarische und slowenische Grenze. Glücklicher Weise spielt das heute alles keine Rolle mehr: die geplante Kanufahrt auf der Raab wird uns laut Programmheft ganz easy-peasy nach Ungarn treiben. Einige Telefonate später finden wir doch noch die korrekte Einstiegsstelle bei Neumarkt an der Raab. Am Ufer sitzt bereits eine Meute Abenteuerlustiger in dicken Schwimmwesten verpackt zu Dreier-Gruppen angeordnet in bunten Kunststoffkanus. Wir fassen wasserdichte Schutzbeutel für iPhones und Digicams aus – zum ersten Mal wird mir bewusst, dass Kanufahren zumindest theoretisch etwas mit Nasswerden zu tun hat.

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Rechts heißt links, und links heißt rechts – Kanufahrt auf der Raab, Foto: Martin

Ein paar Regenwolken ziehen über uns hinweg. Die Einführung der resoluten Kurs-Leiterin fällt kurz aber einprägsam aus: „Bei dem heutigen Wetter würde ich vom Kentern abraten“, heißt es. Sowie: „Halten Sie Ausschau nach überhängenden Baumästen und bleiben sie immer vom Ufer weg!“. Wollen Sie nach rechts, paddeln Sie links, wollen sie nach links, paddeln Sie rechts. Zum Bremsen hacken Sie das Griffende ihres Paddels an einem Gegenstand ein – Stein, Ast, was auch immer“. So einfach kann Abenteuersport sein. 

Action im Natur-Idyll – Kanufahrt auf der Raab

Ich sitze ganz hinten im Boot und lerne, dass ich erstens Steuermann und zweitens grundsätzlich immer schuld bin, falls etwas passiert. Solcherart ermutigt, werden wir auch schon in die Flussströmung gestoßen. Beim Heranrasen des Ufers wird nicht viel über die Theorie reflektiert sondern erstmals reflexartig ums Leben gepaddelt. Dass wir uns genau verkehrt rum abrackern und das Kanu mit Vollgas in die scharfkantige Vegetation steuern ist nur menschlich. Elena, unsere Frontfrau, muss einiges Einstecken, weshalb sie kurzzeitig ihre Sprache verliert, nicht aber ihren Mut. Ein Paddel gibt, wie sich herausstellt, in Stresssituationen ein ganz brauchbares Buschmesser ab.

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Kanu-Action auf der Raab, Foto: Martin

Erstaunlich schnell haben wir den Dreh raus. Ich begreife das Prinzip des Gegenpaddelns und Elena gibt präzise Anweisungen. So ist die Steuerung kinderleicht – Flussschnellen und Bögen aus umgefallenen Baumstämmen werden graziös passiert. Schon packt uns der Ehrgeiz und wir setzen zum Überholen mit Kleinfamilien besetzter Boote an. Viel angenehmer aber ist es, sich einfach mit der sanften Strömung treiben zu lassen und die sich ständig wandelnde Aussicht zu genießen. Die Raab-Kulisse ist wunderhübsch – von üppigem Uferbewuchs gerahmte Flussgeraden gehen in Schlingen über und Schlingen in Geraden. Entspannender und befreiender als ein ganzes Thermen-Wochenende. Auf dem Flussbett einer Flussbeuge machen wir halt und lassen uns die Tierwelt erläutern. In Plastik eingeschweißte Schautafeln von lustigen (und scheuen) Gesellen wie Fischotter und Eisvogel machen die Runde. Kaum zu glauben, dass dieses Naturidyll vor nicht allzu langer Zeit wegen des Dammbruchs eines ungarischen Aluminiumwerks bedroht war.

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Naturidyll im Dreiländereck – die Raab, Foto: Martin

Im Gasthof der Vollblut-Wirtin Gerlinde Gibiser in Heiligenkreuz werden die Blogger-Batterien neu aufgefüllt. Fritattensuppe und lokale Spezialitäten wie südburgenländisches Waldschwein eignen sich bestens dafür.

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Im wahrsten Sinne regionale Küche, Foto: Martin

Danach fahren wir weiter ins Moorgebiet von Bad Tatzmannsdorf. Die Kur-Therme ist vielen als Vertragspartner der österreichischen Sozialversicherungen bekannt. Seit 120 Jahren wird hier in natürlichem Heilschlamm gebadet. Was schon so lange für rasche Genesung und Wohlbefinden sorgt, dümpelt unweit der Therme hinter einer Eingrenzung vor sich hin. Nicht umsonst gibt es die Schauergeschichten von Moorleichen, die mangels Vorsicht zu ebensolchen wurden. Auf die sei man bisher nicht gestoßen, versichert unsere Exkursionsleiterin. Und wenn, würden sie wohl gar nicht so schlecht aussehen – haben doch die Moorpackungen eine erfreulich positive Wirkung auf den Teint.

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Die Blogger-Gruppe scheut keine Gefahren – Moorgebiet Bad Tatzmannsdorf, Foto: Martin

Die Moorfelder von Bad Tatzmannsdorf – „a schene Leich“

Wir tuckern auf der alten Bahnstrecke nach Bad Tatzmannsdorf zurück. Sogar Bordverpflegung gibt es: Grammelpogatscherl! Auf dem weiteren Weg klärt mich Markus, ein gebürtiger Mittelburgenländer, über einen häufigen Irrtum auf: von den erstaunlich vielen Burgen, die wir unterwegs passierten, hingerissen, glaube ich schon dem Namen „Burgenland“ auf die Schliche gekommen zu sein. In Wirklichkeit erinnert er an die früher zu Ungarn gehörigen Verwaltungseinheiten Wieselburg, Eisenburg und Ödenburg (Sopron). Das Gebiet ging 1921 an die neue Republik Österreich. Nachdem sich die Soproner per Volksabstimmung für den Verbleib bei Gulasch und Paprika entschieden, wurde aus dem vorgesehenen “Dreiburgenland“ schlicht Burgenland.

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Mini-Bahn mit Bordverpflegung – Moor-Erlebnisfahrt nach Bad Tatzmannsdorf, Foto: Martin

Eine Burg – was sonst – soll uns auch als Blogger-Unterkunft dienen. Wir staunen nicht schlecht, als wir unser Gepäck durchs Burgtor der Burg Lockenhaus (die letzte echte Ritterburg Österreichs!) unweit der ungarischen Grenze ziehen. Vor uns türmt sich eine wuchtige Burganlage wie aus dem Bilderbuch auf. Gotische Schriftzüge und Ritterlanzen weisen den Weg zur Rezeption des Burghotels und auf die Zimmer. Am Ende einer etwas gruseligen Ahnengalerie liegen meine Gemächer für die kommende Nacht: kein WLAN, dafür aber ein hübscher Porzellankamin und das Gemälde von Kaiser Franz Joseph über dem antiken Biedermeierbett. Das Ritteressen lassen wir aus. Besser so, dreht mir doch die beiläufige Entdeckung einer Infotafel im Burghof den Magen um: Im 16. Jahrhundert soll hier der Legende nach eine „Blutgräfin“ 650 Jungfrauen zu Tode gefoltert haben. Wohl bekommt‘s.

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Unterkunft Ritterburg – das Burghotel Lockenhaus, Foto: Martin

Star-Wars-Fieber im Mittelburgenland

Die Geisterfrage wird nochmals aufgeschoben, heißt es doch davor den letzten Programmpunkt des Tages zu absolvieren. Bei Einbruch der Dunkelheit machen wir uns zur Sternwarte am Brentenriegel auf – mit 606 Metern immerhin die höchste Erhebung der Region. Obwohl nicht leicht zu finden, steht bereits eine ansehnliche Gruppe von Astronomie-Freaks in freudiger Erwartung um den kleinen Kugelbau versammelt. Im Inneren des privaten Bastlerwerks stellt uns der Hobbyastronomen-Obmann die Vereinsstruktur vor: drei Vorsitzende und ein ordentliches Mitglied. Österreichs womöglich kleinster Verein schießt zweifellos die gigantischsten Fotos. Wir rücken vorm Laptopbildschirm zusammen und betrachten schillernde Sternennebel und Galaxien, sogar eine Sternenexplosion ist im Kasten. „Da hat es einen Stern zerrissen“, heißt das aus dem Mund des Weltall-Fans.

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Astronomie-Freaks unter sich an der Sternwarte am Brentenriegel, Foto: Martin

Dunkel ist es, mitten im Mittelburgenland. Dafür öffnet sich uns ein prächtiges Sternenpanorama. Star-Wars-Laserpointer deuten auf vorbeisausende Satelliten. Sternengucker freuen sich über einen kurzen aber faszinierenden Blick auf Venus, Mars und Saturn.

Pannonischen Naturerlebnistage – Teil 2: Nordburgenland und Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel

Auf Tag 2 der Pannonischen Naturerlebnistage – dann geht es zu den Windrädern und in den Seewinkel-Nationalpark des Nordburgenlands – darf man gespannt sein. Vorausgesetzt die Burgnacht fordert keine Blogger-Opfer. Demnächst auf dem tripwolf Blog.

Links:

www.burgenland.info

www.naturerlebnistage.at

www.naturparkraab.at

www.ritterburg.at

Offenlegung: Danke an Burgenland Tourismus und Kreativ Reisen Österreich für die Einladung ins Burgenland!

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One Trackback

  1. [...] zwei der Blogreise durchs Burgenland beginnt denkbar ungewöhnlich. Ich wache unter dem strengen Antlitz Kaiser Franz [...]

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