Gastartikel von Jörg Baldin von breitengrad53.de
Die Bezeichnung „Goldende Stadt“ tragen viele Städte auf der Welt, doch nur eine hat den Namen wirklich verdient: Prag. Schon Franz Kafka hat den Nagel mit einem Ausschnitt aus seinem Gedicht auf den Kopf getroffen. „Prag läßt nicht los. Uns beide nicht.“

Die Astronomische Uhr mit den zwölf Apostelfiguren, die zu jeden vollen Stunde aus den Luken schauen, ist ebenfalls in Magnet für Touristen aus aller Welt.
Wer einmal in Prag war, der wird diese Stadt lieben. In der Hauptstadt der Tschechischen Republik wohnen heute rund 1,2 Millionen Menschen, was über 10 Prozent der Bevölkerung entspricht. Doch das ist für die Atmosphäre in der Stadt nicht ausschlaggebend. Egal wo man geht oder steht, es weht immer ein Hauch Multi-Kulti durch Prag. Unzählige Touristen mit Reiseführern, die man auch im Hochsommer mit Schirmen durch die Stadt laufen sieht, sorgen für volle Gassen und Plätze. Überall hört man Straßenmusiker oder Straßenkünstler, es wird viel gelacht und viel gestaunt, denn Prag hat auch kulturell eine Menge zu bieten.
Karlsbrücke darf bei keinem Besuch fehlen
Top-Spot der goldenen Stadt ist sicherlich die Karlsbrücke, die die beiden Stadtteile Altstadt und Kleinseite von Prag miteinander verbindet. Die Moldau, ein Nebenfluss der Elbe, hat die beiden Teile über 400 Jahre voneinander getrennt. Erst seit rund 650 Jahren gibt es diese beindruckende Brücke, die mit 520 Meter Länge der Treffpunkt vieler Touristen in Prag ist. Sie gehörte zum Krönungsweg der böhmischen Könige. Heute schlendern dort unzählige Urlauber über die Brücke und werden von zahlreichen Künstlern dazu animiert, sich portraitieren zu lassen. Die Jazz-Gruppe „Bridge Band“ sorgt für die musikalische Umrahmung in einem wunderschönen Panorama: Auf der einen Seite das Stadtzentrum von Prag auf der anderen Seite das nächste Highlight der Stadt, die Prager Burg.

Der heilige Nepomuk ist die bekannteste Statue auf der Karlsbrücke. Er soll vor Hochwasser und Schiffsunglücken schützen, Hand am Relief auflegen, soll Glück bringen.
Die Prager Burg (Hradschin ) ist das größte geschlossene Burgareal der Welt und beinhaltet unter anderem den St.-Veits-Dom, die Basilika St. Georg oder das weltberühmte Goldmachergässchen, in dem Franz Kafka 1916 für einige Monate lebte. Wer auf den rund 70 Meter hohen Hügel hinauf will, muss Kondition mit bringen, aber der Weg zur Burg lohnt sich auf jeden Fall. Nachdem die Karlsbrücke hinter sich gelassen worden ist, beginnt der Aufstieg, der zwar nicht steil ist, sich aber durch viele kleine Gassen und Straßen hinzieht. Während auf der Prager Burg bis 1918 böhmische Fürsten und Könige wohnten, ist sie heute offizielle Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik.

Typisches Bild in den Straßen von Prag: Kleine Gassen, die von alten Gebäuden umrahmt werden. Hier entlang geht es zur Prager Burg.
In dem kleinen Haus lebt einst Franz Kafka
Runter geht man am besten durch das Goldmachergässchen. Der Eintritt (100 Kronen) lohnt sich, denn die winzigen Häuser spiegeln das Leben in der Zeit um Franz Kafka wider, der dort gelebt hat. Damals müssen die Menschen deutlich kleiner gewesen sein, denn bei vielen Besuchern hören die Türen schon an der Schulter auf, so klein waren die Eingänge von damals. Ansonsten wird in der Gasse eindrucksvoll gezeigt, wie die Wohnungen der Prager aussahen. Natürlich dürfen kleine Boutiquen und Souvenirshops im Gässchen nicht fehlen.
Wieder an der Moldau angekommen, sollten sich die Gäste wieder auf den Weg zum Altstädter Rathaus machen, allerdings den Weg am jüdischen Friedhof vorbei machen. Der eindrucksvolle Friedhof entstand aus reiner Platznot. Weil Gräber – wie heute – nicht nach einigen Jahren „aufgelöst“ wurden, haben die Prager einfach Erde aufgeschüttet. Heute liegen hier die Toten in bis zu neun Schichten übereinander, allerdings hat die letzte Beerdigung auf diesem Friedhof im Mai 1787 stattgefunden. Insgesamt sollen hier heute etwa 200.000 Gräber erreichtet worden sein.
12 Apostelfiguren drehen sich stündlich
Auch das schon erwähnte Altstädter Rathaus darf bei keinem Besuch in der tschechischen Hauptstadt fehlen. Etwa 45 Sekunden lang kreisen zu jeder vollen Stunde über der Uhr die zwölf Apostelfiguren mit der Musik aus einem Glockenspiel aus zwei Luken heraus und lassen die Unmengen von wartenden Touristen in Ekstase verfallen. Die Astronomische Uhr soll seit 1410 zeigen, ob die Sterne günstig stehen. Die Kalenderscheiben sind von den vier größten Gefahren der Menschheit um das Jahr 1410 umzingelt: Der Tod mit einer Sanduhr, die Eitelkeit mit einem Spiegelbild, ein Türke droht mit Krieg und der Geizhals, der mit einem vollen Geldbeutel schüttelt.
Prag ist für Städtetouristen absolut sehenswert und sowohl mit dem Zug, mit der Bahn oder per Auto sehr gut zu erreichen. Außerdem verfügt die Stadt über ein hervorragendes U-Bahn- und S-Bahn-Netz, so dass viele Plätze bequem erreicht werden können. Die Preise in der Stadt sind moderat, und auch wenn der Euro kein offizielles Zahlungsmittel ist, kann in nahezu allen Läden mit Euro bezahlt werden.

Der Eingang der Prager Burg, lockt im Jahr bis zu 1 Millionen Touristen an, und wird noch heute von Soldaten bewacht.



