Kategorie: Tipps
pix Thessaloniki: 1   2    3 Stunden Griechenland

So, und was jetzt? Irgendwie bin ich gerade planlos. Überall wuseln Menschen um mich herum und die Sonne heizt die Luft ganz schön auf, sodass ich gleich einmal vorsorglich die Jacke ausziehe und meinen Regenschirm einstecke. Den brauche ich nämlich jetzt wirklich nicht. Dabei war der Regen doch der Grund, warum ich hier gelandet bin: In Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt Griechenlands auf der Halbinsel Chalkidiki.

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Reste der glorreichen römischen Vergangenheit vor 70er-Jahr-Bauten, glänzende Cafés mit schick-sorglosen Menschen neben verfallenen Mauerwerken mit Graffiti – interessantes Thessaloniki. Foto: Doris Neubauer

Eigentlich, ja, eigentlich hätten wir heute auf einer Cruise des Sani Resorts, in dem ich dieses Wochenende verbringen darf, die Ägäische Küste entlang fahren sollen. Aber dieses Vorhaben fiel buchstäblich ins Wasser. Statt ruhig-idyllischer Seefahrt gab es also hektisches Treiben und Großstadtgetummel. Auch recht, wäre ich doch sonst wohl kaum nach Thessaloniki eine Stadt, die angeblich nur wenig Nicht-Griechen besuchen – gekommen! 

Der erste Eindruck: Es gibt es noch, das Griechenland meiner Erinnerung. Keine Spur von Wirtschaftspanik, keine Anzeichen von verzagten Gesichtern – stattdessen sitzen Herr und Frau Thessaloniki, gestylt wie eh und je, in den hübsch-gepflegten Gastgärten der Cafés, plaudern und genießen das Sehen und Gesehen-Werden. Die Prachtstraße Aristotelous, wo wir abgesetzt wurden, quillt über vor Straßenlokalen und -shops, die zum Verweilen einladen. Gute Idee, denke ich, und setze mich in eines derselben auf dem Aristotelous Platz- Ein Fehler, wie ich sofort bemerke, denn keine zwei Sekunden später bin ich schon von Schwarzafrikanern umringt, die mir nicht nur erklären, wie schön ich bin, sondern vor allem auch etwas verkaufen möchten. Schade, aus dem friedlichen Kaffee-Genuss wird wohl nichts!

Ich gebe mich also betont beschäftigt und stecke meine Nase tiefer in die Pläne der Universitätsstadt, in der rund 700.000 StudentInnen zuhause sind. Was ich dabei erfahre: Die Aristotelous Straße, die ich soeben herunter spaziert bin, ist das einzige Beispiel davon, wie Thessaloniki aussehen hätte sollen. Zumindest, wenn es nach der Stadtplanung durch den Franzosen Ernest Hebrard gegangen wäre. Der wollte Thessaloniki, das 1917 bei einem Großfeuer komplett zerstört wurde, nach dem Vorbild von Paris wieder aufbauen. Die nach geplanten Ähnlichkeiten mit der Rue de Rivoli in der französischen Hauptstadt kann ich zwar nicht erkennen, aber schön ist es hier allemal.

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Irrtour durch Thessaloniki – oder was man in 3 Stunden alles (nicht) sehen kann. Foto: Doris Neubauer

Nach der Kaffeepause geht es weiter – schließlich will ich die Stadt nicht nur via Plan, sondern auch Gehend erkunden. Ich folge der Wegempfehlung, den man mir beim Sani Resort in die Hand gedrückt hat. Mein nächstes Ziel: Das Wahrzeichen der Stadt, der Weiße Turm, eine Abwehr gegen die Türken aus dem Jahr 1430. Doch noch wird mein Blick abgelenkt – auf der einen Seite, über die viel befahrene Straße, kann ich das Meer sehen, auf der anderen Seite reiht sich wieder ein Café an das nächste Restaurant, eine Bar an die andere. Und die sind auch alle voll, kein Wunder, schließlich scheint die Sonne und es ist Samstagmorgen. Später lese ich: “Thessaloniki is Greece hippest city” – und gebe den VerfasserInnen Recht.

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Auf dem Aristotelous Platz tummeln sich nicht nur die Tauben, sondern vor allem auch SchwarzafrikanerInnen, die ihre Waren anbieten. Foto: Doris Neubauer

Und dann sehe ich ihn auch – den weißen Turm, der seinem Namen aber leider keine Ehre macht. Aus dem Weiß ist eher ein Grau geworden. Das Weißwaschen, durch das der Turm 1890 auch seine Bezeichnung erhalten hat, wäre wieder notwendig. Damals jedenfalls konnte sich der Gefangene Nathan Geuledi mit der Aktion seine Freiheit erkaufen. Heute ist aus dem ehemaligen Knast übrigens ein Museum geworden, in dem gerade die Geschichte der Stadt vorgestellt wird. Die werde ich heute aber nicht mehr erfahren, schließlich habe ich bloß noch zweieinhalb Stunden für den Rest von Thessaloniki …

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Gebaut wird überall – ob noch oder schon, das kann ich nicht sagen. Foto: Doris Neubauer

Vorbei an alten Theatergebäuden und Parks, die heute vor allem mit Graffiti “geschmückt” sind, spaziere ich entlang der Nikolaou Germanou (die Straßennamen sind auch tatsächlich überall gut erkennbar) hoch zum Hanth Platz. Dort, vor dem 180.000 m2 großen Messegelände, höre ich lautstarke Hupgeräusche und erlebe zum ersten Mal griechischen Verkehr: Die Autos schieben sich – fast schon übereinander – in Schritttempo zur Kreuzung vor. Unbeschreiblich, das muss man erlebt haben. Offenbar ist das aber Normalzustand, wie ich an den ignorierenden Blicken der Passanten merke – ich bin die Einzige, der das Spektakel als Beachtenswert aufgefallen ist. Die Messe der Stadt, erbaut 1925, erlebe ich wieder nur von außen – wirklich einladend wirkt die riesige Fläche aber auch nicht, um ehrlich zu sein. Auch wenn ich weiß, dass sich darin der 76 Meter hohe OTE Fernsehturm, in dem 1966 die erste Sendung des staatlichen griechischen Fernsehens übertragen wurde, und das Mazedonische Museum Zeitgenössischer Kunst befinden.

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Mittendrin die Hagia Sofia – drumherum die Markenläden. Foto: Doris Neubauer

Eines ist bei diesem kurzen Stadtspaziergang nicht zu übersehen: Die lange Geschichte der Stadt, die zum ersten Mal in der Bibel erwähnt wurde. Römische Überreste, byzantische Sehenswürdigkeiten, Synagogen, türkische Bäder, Moscheen – es ist von allem etwas dabei. Im Vorbeilaufen erhasche ich einen Blick auf die Ruinen der römischen Herrschaft über die Stadt wie die Überreste des römischen Kaiserpalastes, des Triumphbogens und auch das Mausoleums des Kaisers. Dass es sich dabei um ein europaweit einzigartiges Bauwerk handelt,  das sowohl als orthodoxe Kirche wie als Moschee genutzt wurde, erfahre ich erst bei meiner Thessaloniki-Nachlese. Das ist genauso einer der  Momente, in dem ich mir einen geschichtskundigen Führer herbeigewünscht habe, wie bei meiner nächsten Station, der Hagia Sophia. Eben dieser riesigen Kirche der Weisheit aus dem 7. Jahrhundert, die mit anderen frühchristlichen sowie byzantinischen Kirchen der Stadt 1988 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde.

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TouristInnen tummeln sich bloß auf dem römischen Forum, sonst gehen sie in der griechischen Masse unter. Foto: Doris Neubauer

Die Zeit drängt und lässt gerade noch zu, die steilen und teilweise recht engen Gassen der Stadt zum Römischen Forum hochzugehen. Die Überreste des Imperiums kommen übrigens nicht von ungefähr, lag doch Thessaloniki damals an der Via Egnatia, dem Hauptverkehrsweg zwischen Rom und Byzanz – und nicht zu verwechseln mit der heutigen gleichnamigen Straße durch Thessaloniki selbst. Die ehemalige Hauptstadt der Provinz Macedonien war teilweise sogar Residenz der Kaiser – und deren Pracht ist selbst jetzt noch nicht vergessen.

Hier beim römischen Forum komme ich mir zum ersten Mal nicht allein inmitten all der GriechInnen vor: Es gibt noch andere TouristInnen, die sich gerade durch die Ruinen führen lassen.

Dafür reicht bei mir die Zeit natürlich nicht – schließlich hatte ich bloß 3 Stunden hier in Thessaloniki. Und die, die sind jetzt leider vorbei!

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Thessaloniki ist auch Einkaufsparadies und bekannt für seine Märkte sowie Läden. Davon habe ich leider diesmal wenig mitbekommen. Foto: Doris Neubauer

Fazit: In 3 Stunden habe ich einen ganz guten Eindruck von Thessaloniki bekommen, zumindest von außen. Beim nächsten Mal geht es sich vielleicht auch einmal aus, die Sehenswürdigkeiten von innen anzuschauen…

Es sei denn, ich lasse mich von den vielen kleinen Designerläden zum Shopping verleiten: Die vollgefüllten Einkaufstaschen meiner Bekannten, die in den drei Stunden die griechische Wirtschaft gehörig angekurbelt hat, haben jedenfalls Lust darauf gemacht!

Mehr Info:  Hier gibt es einen Stadtplan von Thessaloniki, und natürlich haben wir auf tripwolf auch pdf-Guides zum Downloaden.

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