Kategorie: Tipps
pix Tiefenentspannung am Gardasee

Nach unserem Abstecher an den fast zu schönen Lago D’Iseo führte uns der Bloggertrip in Brescia an den Gardasee. Was ich erwartete? Reiche Rentner, die auf Goethes Spuren wandeln, Pullover um die Schultern, Gelati auf der Hand. Was ich fand? Die Erkenntnis, dass Dächer manchmal der schönste Ausblick sind, das angeblich kleinste Buch der Welt und die Einsicht, dass es einen Grund dafür gibt, dass wir Deutschen den Gardasee lieben. Es geht einfach nicht anders.

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Foto: Anne

Im Hotel Savoy Palace in Gardone Riviera ist schon der Parkplatz eine Sehenswürdigkeit. Bin ich also doch im Klischee gelandet? Von meinem Sonnendeck aus habe ich dann jedoch so einen ungetrübten Blick auf den See, der von hier wie ein stilles Meer erscheint, dass er mich mit allen Ärgernissen der Welt versöhnen könnte. Der Traum von Italien, ja, hier scheint er zu sein. Und nachdem rosa Wellen im Sonnenuntergang gepaart mit dem lokalen Weißwein den inneren Weltfrieden manifestierten, geht es am nächsten Morgen auf ein Boot. Die schönste Art, den See und seine Umgebung kennen zu lernen. Neogotische Gebäude am Ufer verabschieden uns. 

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Foto: Anne

Unser Kapitän besticht durch den Ehrgeiz, dem Sonnenbrand davonzujagen und ein goldenes Playboykettchen. Als wir starten, sind Bergspitzen noch im Nebel versunken. Vorbei an Schlössern auf privaten Inseln geht es nach Sirmione. Unter einer Brücke hindurch entern wir die Stadt, deren Stadtmauern genau den historischen Kern versprechen, der uns erwartet. Schwäne heißen Besucher am Eingang der Scaligerburg im Hafenbecken willkommen, es herrscht  Getümmel in den mittelalterlichen Gassen. Eine davon führt zur Kirche Santa Maria Maggiore,  die im 15. Jahrhundert gebaut wurde und vor allem für Kunstliebhaber ein Anlaufpunkt sein sollte. Überhaupt hat man das Gefühl, dass in dieser Stadt Historie und Tourismus eine Symbiose eingehen, die man für einen Nachmittag als gelungen bezeichnen könnte.

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Foto: Anne

Ursprünglicher war das nächste Ziel: Lonato del Garda. Meine heimliche Liebe der Reise. Der Himmel besteht plötzlich nur noch aus Dächern. Eine Domkuppel, ein Turm und zahlreiche Häuser formen diesen Blick aus den schuppigen Schönheiten. Im Restaurant “La Rocca Contesa” gibt es die besten Casoncelli (sehr käsige Nudelköstlichkeiten) und doch schweift mein Blick immer wieder vom Teller zum Fenster. Diese Dächer.

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Foto: Anne

Der nächste Anlaufpunkt macht den Ort allerdings nur noch charmanter. Das mittelalterliche Casa del Podestà, der ehemalige Sitz des venezianischen Stadtverwalters, scheint angefüllt mit zufällig zusammengetragenen Sammlerstücken aus Oberitalien. Es finden sich Gemälde, Porzellan, Bücher und sogar alte Radios in einer abenteuerlichen Vielfalt und Anordnung. Der wirkliche Schatz ist jedoch die Bibliothek, die von außen wie eine Kapelle aussieht. 53.000 antike Bücher können hier von jedem eingesehen werden. Ich fand Fontane, Galilei und das angeblich kleinste Buch der Welt. Und über all dem ragt die Burgruine. Stand hier einst Napoleon vor der Tür, wird nun gerade eine Hochzeit vorbereitet. Zeit zu gehen.

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Foto: Anne

Am Abend empfängt uns die größte Stadt am westlichen Gardasee. Im “Ristorante Le Rose” in Salò folgt Gang auf Gang und immer, wenn man dachte, es kann nicht mehr besser werden, ruft allein der Anblick der Teller innerliche Freudenschreie hervor. Anstelle von großen Pfeffermühlen kommen hier Flaschen mit lokalen Ölen zum Einsatz. Das beste Olivenöl erwirbt man im Übrigen von der im Familienbetrieb geführten Olivenpresse Montecroce in Desenzano del Garda. Aber zurück zum Restaurant. Hier ist alles Handarbeit, lokal und das schmeckt man auch. Der Chef ist Vorsitzender der „Slow Food Bewegung“ der Gegend. Sogar das Essen ist tiefenentspannt.

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Foto: Anne

Und wahrscheinlich macht das Brescia aus. Es scheint so persönlich, so natürlich und gleichzeitig so perfekt-kitschig, dass man es fast nicht wahrhaben möchte. Wenn man die Touristenströme meidet und in mittelalterlichen Städtchen abtaucht, will man nie mehr zurück. Zumindest für eine Weile.

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Foto: Anne

pixel Tiefenentspannung am Gardasee

3 Comments

  1. Klara
    Posted 8. August 2012 at 11:56 | Permalink

    Liebe Anne, dein Bericht ist sehr gelungen.

    Wenn du noch tiefer in das italienische Lebensgefühl eintauchen möchtest dann empfehle ich dir die Sprachenschule acontatto in Malcesine.
    Dort lernst du auch noch ganz entspannt italienisch sprechen.

    http://www.acontatto.com

  2. Posted 11. August 2012 at 16:34 | Permalink

    Hallo,

    eine sehr gelungene Seite – vor allem die Fotos von der Seeansicht gefallen uns. Wir schauen jetzt öfter mal rein, hoffentl. kommen noch viele neue Pics und Berichte !

    beste grüße,
    thomas

  3. Posted 12. Februar 2013 at 14:51 | Permalink

    Danke für den Artikel! Gardasee ist eines meiner Lieblingsziele für meinen Urlaub. Diese Gegend hat viel zu bieten. Ich habe die Gegend rund um Verona besucht, die mir gefallen hat (ich habe Verona besucht, die sehr schon ist), aber nächstes Jahr möchte ich die Gegend rund um Brescia besuchen. Hier sind viele Golfplätze, die perfekt für meinen Mann sind!

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