Gastartikel von Katharina Maria Zimmerman
Beim Eden Project dreht sich im Prinzip alles um Nachhaltigkeit, Natur und andere gute Dinge, es ist also prädestiniert für unser Reisebuch Eat-Surf-Live. Also machten wir uns zeitig auf, nur um herauszufinden, dass ungefähr noch hunderte andere ebenso gedacht haben. Fazit: Frühmorgendliche Besucherüberschwemmung. Geparkt haben wir bei „Lime 1“ – hier können wir anderen weiblichen Nullcheck-Autofahrerinnen oder Männern, die Orientierungslosigkeit niemals zugeben würden, nur empfehlen, sich die Frucht und die entsprechende Zahl des Parkplatzes gut einzuprägen. Beim Retourfahren gibt es nämlich nur einen Bus und der hält sich streng an die fruchtigen Bestimmungen – Achtung, er hält zwar bei Zwetschke, Ananas, Zitrone und Melone, aber keinesfalls bei Apfel oder Orange. Da soll sich ein normaler Mensch auskennen.

Ein klassischer Scone. Foto: Katharina
Große Bienenwaben
Bei lang erwarteten Sehenswürdigkeiten macht man sich ja gewisse Vorstellungen. Als Erklärung: Ich dachte mir, die Freiheitsstatue sei größer und die Golden Gate Bridge kleiner. Beim Eden Project war es ganz wie bei der blutroten kalifornischen Schönheit: Es war enorm groß! In das Ding passt laut Lonely Planet sogar der London Tower – die müssen’s wohl ausprobiert haben. Hier im Nirgendwo, nahe der Ministadt Lostwithiel (war im Übrigen mal Hauptstadt Cornwalls, wie das passieren konnte, können sich selbst die Einheimischen nicht erklären) wurden die größten Gewächshäuser der Welt aus dem Boden gestampft. Von der hässlichen Kaolingrube wurden in kürzester Zeit zwei neue Klimazonen in die Höhe gezogen. Im 20-minütigen Film über die Enstehung dieses Monsterprojekts, sieht man, was die Erbauer eigentlich für einen Stress hatten. Da es im kornischen Winter von 2000 auf 2001 nicht weniger als hundert Tage hintereinander (!) regnete, wurden die Bauarbeiten um einiges verzögert und so musste noch einen Tag vor der Eröffnung reingehackelt werden bis zum Morgengrauen.

Achtung! Hier sollten Frucht und Zahl genau notiert werden. Foto: Katharina
Hot Hot Hot
Seit März 2001 ist das Eden Project also auf der Bildfläche und für viele Besucher Cornwalls das perfekte Schlechtwetterprogramm – wir hatten im übrigen auch einen Regenguss der sich sehen lassen konnte! In den zwei Biomen wurden die besten klimatischen Voraussetzungen für tropische- und mediterrane Gefilde geschaffen. So kann man Kakteen, silbrige Olivenbäume, Palmen und Bananenbäume in nur wenigen Minuten sehen. Zuerst war ich noch ein bisschen skeptisch, als mich ein humorvolles Schild im tropischen Gewächshaus darauf hinwies, dass ich, wenn möglich kurzärmlig durchspazieren und in jedem Fall Wasser mit mir führen sollte. „Blödsinn!“ dachte ich mir und befreite mich nicht von meinem Superdry-Kuschelpulli. Was mir nur 2 Minuten später zum Verhängnis wurde. Plötzlich stieg die Luftfeuchtigkeit und die Sonne kam mit Ultrakraft durch die Waben. Kurz vorm Kollaps befreite ich mich dann doch vom Pulli und es war gut so. Im Nachhinein würde ich jedem raten, dieser Vorschrift doch einfach zu vertrauen und die typische Cornwall-Einstellung, am besten immer einen Kuschelpulli zu tragen, für eine halbe Stunde abzulegen. Es macht einfach Sinn!

Das Eden Project. Foto: Katharina
Café und Scone
Wie alle guten Touristenattraktionen hat auch das Eden Project sowohl Touri-Shop als auch Café, nur sind diese erfrischend anders. Im Geschäft gibt es fast ausschließlich Fair-Trade beziehungsweise Recycle-Geschichten, die sich wirklich gut als gewissenhaftes Mitbringsel eignen und das Café folgt sowieso seinen eigenen Regeln. Wahrscheinlich ist der Gastronomiebereich der neueste Teil des ganzen Komplexes: Der wurde nämlich erst vor kurzem überschwemmt und musste wie der Phönix aus der Asche wieder neu entstehen.

Your wallet is your weapon. Alles klar? Foto: Katharina
Spielregeln: Eden Project Café
-Nimm dir, was du gerne haben möchtest. Merke dir aber, was du genommen hast.
-Die Getränke musst du in eines der rumhängenden Tassen einfüllen. Hier kannst du so oft nachfüllen, wie du willst!
-Die Foccaccias sind sehr schwer zu Essen
-Willst du einen Scone, dann überlege dir gut, ob du diesen nicht teilen willst, denn sonst könnte es geschehen, dass du für die nächsten zwei Tage keinen Hunger mehr hast.
-Einen Scone bereitet man wie folgt zu: Butter, dann einen Patzen Marmelade und dann so viel Clotted Cream wie irgendwie möglich! Fertig!
-Für Kaffee & Tee einfach an den gekennzeichneten Orten anstellen- kann durchaus länger dauern.
-Zum Zahlen alles, was man gehabt hat an einer der Kassen aufsagen. (Die vertrauen einem doch tatsächlich!)
Weitere Infos zu diesem Gastartikel:
Dies ist ein pikantes und exklusives Detail aus dem Cornwall Reisebuch Eat Surf Live. Willst du dieses unterstützen – komm auf Startnext und geh’ Bücher shoppen.



