Kategorie: Tipps, Transsibirisches Abenteuer
pix Auftakt zu einer langen Reise: mit Bus und Bahn durch Russland bis Usbekistan

Grenzfall. Es war vier Uhr früh. Die üppig geschminkte Frau auf der anderen Seite des Panzerglases durchbohrte mich mit ihrem finsteren Blick. Sie schaute wieder runter zu meinem Pass, den sie auf die Fotoseite aufgeschlagen hatte, dann richtete sie den missbilligenden Blick zurück auf mein Gesicht.

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Es werden insgesamt sehr viele Gleiskilometer. Foto: Eli

„Is this really you,“ bellte die Frau von der Grenzkontrolle mit furchteinflößender Stimme und heftigem russischen Akzent.

Ich bestätigte nochmal. Dann stand sie auf, ging zum nächsten Schalter, und kam mit einer zweiten geschminkten Grenzkontrolleurin zurück. Verstärkung. Nun blickten beide abwechselnd hinunter zu meinem Passfoto und wieder auf zu mir. Seitens der mürrischen Grenzerinnen wurde mir befohlen, die Brille abzulegen. Es verstrichen noch ein paar Minuten-also gefühlte drei Stunden-in denen ich unter genauer Beobachtung im karg ausgestatteten Grenzgebäude zitterte.

Dann wurde mein Pass zugeklappt, mit letzten Kräften schleifte ich den riesigen Rucksack über die Grenze: ich hatte es geschafft!

Es war der 02. April 2012, und ich war in Russland.

Ich stieg die Stufen zum Ecolines-Nachtbus zwischen Riga und St. Petersburg empor und nahm meinen Platz als einzige Nichtlettin/-russin an Bord wieder ein.

Es war der Anfang meines transsibirischen Abenteuers.

Der ursprüngliche Plan

Der ursprüngliche Plan war in zwei Monaten  mit der Eisenbahn durch Russland und weiter bis nach Peking zu fahren. Alleine. Warum? Eigentlich hauptsächlich weil niemand mitkommen wollte, aber sagen wir halt das ich sehr aufgeschlossen und abenteuerlustig bin.

Kasachstan und Usbekistan kommen dazu

Und da sich während meiner Reiserecherchen herausstellte, dass eine Freundin von mir schon mal diese Strecke abgefahren ist, war mir das auch nicht mehr genug. Um alle zu toppen beschloss ich noch nach Kasachstan und Usbekistan zu fahren. Frei nach dem Motto „so ex-sowjetische zentralasiatische Republiken, das wäre doch mal was anderes“.

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Eindrücke von Kasachstan aus dem Zugfenster. Foto: Eli

Mein Flug von Taschkent in Usbekistan zurück nach Wien war für den 29. Mai gebucht. Ich hatte beschlossen, viele Züge im Voraus zu buchen, da das meine erste längere Reise alleine sein würde, ließ mir aber etwas Spielraum in Sachen Reiseziele und Zeiteinteilung.

Theorie vs. Praxis: die Dinge werden skurriler als erwartet…

Soviel zum Plan. Als ich an diesem 2. April die Grenze ins Unbekannte überquerte, konnte ich aber noch nicht ahnen, was mich alles erwarten würde. Ich konnte nicht ahnen, dass meine Begegnung mit Belka und Strelka, den notdürftig in der Sowjetzeit ausgestopften ersten Hunden, die einen Weltraumflug überlebten, im Kosmonautenmuseum in Moskau unter den weniger skurrilen Erlebnissen meines Abenteuers rangieren würde. Im Laufe der Reise würden alle Russland-Klischees, mit denen ich in meinem Leben konfrontiert wurde, entweder lieblich bestätigt oder total zersprengt werden. Und meine Vorstellungen über China, Kasachstan und Usbekistan würden von der irisierenden Realität bei weitem übertroffen werden.

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Strelka im Kosmonautenmuseum. Foto: Vokabre/flickr

Von usbekischen Kickboxern und russischen Pole-Tänzern

Die ungefähr 18,723 Kilometer der Reise wurden hauptsächlich in öffentlichen Verkehrsmitteln durchquert, um genau zu sein mittels drei Langstreckenbussen, elf langen Zugfahrten und einem Flug. Ich wohnte bei Gastfamilien und reiste als Frau alleine durch muslimische Länder. Unter den vielen schillernden Persönlichkeiten, denen ich begegnete, würden ein stilbewusster Kickboxer aus Usbekistan und ein männlicher Pole-Dancer aus einer russischen Provinzstadt herausstechen.

Was ist es, das diese Reise durch acht Zeitzonen und verschiedenste Klimabedingungen für mich zu einem so besonderen, unvergesslichen Erlebnis machen würde? Das Schöne, das Neue, das Kuriose? Vor Reisebeginn hegte ich als Kunstuni-Absolventin ohne genauen Plan für die Zukunft die Hoffnung, dass ich während ich mit verträumter Miene aus einem Zugfenster auf die scheinbar endlose vorbeiziehende Steppenlandschaft blicke eine Art Erleuchtung erleben und mir dann schlagartig klar werden würde, was meine Berufung ist.

Resümee einer Reise

Natürlich kam es nicht so. Aber irgendwie wurde es doch eine spirituelle Erfahrung. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die ich von wildfremden Menschen in all diesen Ländern erfuhr, machte meine Reise so bemerkenswert. Ich würde im Zug einmal in frühesten Morgenstunden von meinem Liegenachbar aus dem Schlaf gerüttelt werden, damit ich ein Stück Fisch, eine lokale Köstlichkeit, die er grad in der dafür bekannten Station Barabinsk erworben hatte, kosten konnte. Als ich die Arschkarte zog und für eine 35+-Stunden Zugfahrt nur noch einen Stehplatz ergattern konnte, würde mir ein junger Chinese in der Nacht seinen Sitzplatz zum Schlafen überlassen.

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So sieht’s aus: Liege im Zug. Foto: Eli

Das transsibirische Abenteuer auf tripwolf… see you next week!

Diese Reise wurde zu so einer wunderbaren Erfahrung, dass ich mein Mitteilungsbedürfnis irgendwie stillen muss. Deshalb wird in den nächsten Wochen auf tripwolf eine Serie über mein transsibirisches Abenteuer erscheinen. Es wird für diejenigen, die daran interessiert sind, eine ähnliche Reise zu planen, praktische Infos zu Reisen mit der Transsib und darüber hinaus zu lesen geben, so wie auch Erfahrungsberichte mit Anekdoten und Tipps zu verschiedenen Locations auf meiner Reiseroute für die reiseinteressierte Allgemeinheit.

Also: ab nächster Woche geht’s am tripwolf Blog per Bus und Bahn nach Jekaterinburg, Tomsk, Ulan Ude, Peking, Ürümqi, Almaty, Medeo, Taschkent und Samarkand!

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