Kategorie: Transsibirisches Abenteuer
pix Zugfahren in Russland und im postsowjetischen Raum | Teil 1: 2. Klasse vs. 3. Klasse.

Für die Planung einer individuellen Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn ist nach der Frage der Reiseroute mit Ausgangspunkt, Ziel sowie möglichen Zwischenstopps die der Wagenklasse ausschlaggebend.

Für Budget-Reisende heißt das: 2. oder doch 3. Klasse?

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Foto: Eli

Obwohl ich mir zig Mal in meinem Reiseführer und auf der Zugreiseplattform „Seat 61“ die Vorteile und Nachteile der beiden billigeren Klassen näher gebracht hatte, saß ich lang nagelkauend und grübelnd über meinen Unterlagen.

Kupé und Platzkartny: die Highlights

Die 2. Klasse, auf Russisch „Kupé“, aber auch „harte-“ oder „Touristenklasse“, genannt, wird mit ihren Vierbettabteilen oft wegen der verschließbaren Abteiltüren als die diebstahlsicherere Variante angepriesen. Die Betten sind geräumiger und bequemer als in der 3., daher wird die 2. Klasse als eher an die Bedürfnisse westlicher Reisenden angepasst betrachtet.

Platzkartny: lukrativer für alleinreisende Frauen?

Die 3. Klasse, auf Russisch „Platzkartny“, lockt dagegen mit niedrigeren Preisen. Ein zweiter Punkt, der mir sehr wichtig war, ist, dass Platzkartny als lukrativere Option für alleinreisende Frauen empfohlen wird. Platzkartny-Wagons sind im Wesentlichen offene Abteile mit 54 Betten, ähneln also einem Schlafsaal in einem Hostel. Wie in Kupé gibt es jeweils zwei Betten übereinander, diese sind allerdings in Gruppen von sechs Betten gegliedert. Zwei Bettreihen stehen sich quer zur Wagonwand gegenüber, das dritte Stockbett ist parallel zur Wagonwand platziert (diese beiden Betten sind die kürzesten: meiden!). Man schläft wie in der 2. Klasse mit Fremden in einem „Zimmer“, aber auf weniger engem Raum.

Ich beschloss schlussendlich ein bisschen was von beiden zu probieren: für manche Strecken buchte ich 2., für manche 3. Klasse.

Eine kleine Geschichte zu Kupé

Für meine erste Zugreise in Russland hatte ich ein Bett in der 2. Klasse gebucht. Der Zug sollte in neun Stunden von St. Petersburg nach Moskau gelangen. Meine Ängste erwiesen sich als begründet: als ich meinen Abteil fand, saßen schon zwei furchteinflößende Männer um die 40 auf den Betten, ein dritter gesellte sich später dazu. Der erste war groß und stark gebaut, mit einem tiefen Ausschnitt im T-Shirt, welcher eine sehr behaarte Brust offenbarte. Der zweite hatte fettiges Haar, die Aufschrift „ROCK AND ROLL ANIMAL“ und viele Totenköpfe zierten sein T-shirt.

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So sieht’s aus im russischen Kupé-Waggon. Foto: Eli

Eine unruhige Nacht mit den männlichen  Abteilgenossen

Ich fürchtete mich anfangs vor diesen Männern, aber sie entpuppten sich als überaus freundlich. Als ich nicht wusste, was ich mit dem ganzen Schlafzubehör, das wir erhalten hatten, machen musste, halfen sie mir. „We will do a…demonstrations“ sagte einer. Er nahm die Bettwäsche in die Hand, sagte „what I have here? “ und erklärte jeden Artikel einzeln.

Obwohl die Männer ungefährlich waren, drückte ich in der Nacht kein Auge zu-wegen dem lauten Schnarchen, das von allen drei gleichzeitig kam, und dem penetranten Geruch.

Fazit: obwohl die Betten bequem sind und die Abteile recht geräumig, teilt man doch einen engen Raum mit fremden Menschen. Das kann selbst wenn die Abteilgenossen freundlich sind schwierig sein.

Die 3. Klasse hat andere Vor- und Nachteile:

Eine kleine Geschichte zu Platzkartny

Im Zug von Tomsk nach Irkutsk saß ich auf meinem Bett, gemeinsam mit acht russischen Studenten. Die Liege gegenüber gehörte einer von ihnen, sie hatte ihre Freunde in unsere Nische eingeladen. Als die Studenten rausfanden, dass ich eine ausländische Touristin war, erzählten sie mir, dass sie zu einem regionalen Wettbewerb in Business-English fuhren. Sie bombardierten mich mit Fragen.

Wieso reiste ich alleine? Wie bin ich auf Russland gekommen? Und warum hatte ich Tomsk besucht?

Interview am Bahnsteig

Dann fragten sie mich, ob sie mich Interviewen durften. Ihr Englischlehrer wollte, dass sie eine Person auf Englisch befragten. Ich willigte ein, und wurde am Bahnsteig der Station Taiga, in der unser Zug mehrere Stunden lang Halt machte, vor laufender Kamera zu meiner Meinung zu Russland, Individualreisen und meinen Hoffnungen für die Zukunft ausgefragt.

Fazit: Die Betten sind spürbar kürzer und schmäler und es gibt mehr potentielle Schnarcher und andere Lärmquellen als in Kupé. Es gibt aber auch höhere Chancen auf alle möglichen Bekanntschaften: die Stimmung in der 3. Klasse ist sozialer.

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Die Studenten und ich am Bahnsteig. Foto: Eli

*In den Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten sind viele Züge den Russischen sehr ähnlich, obwohl das auf das Land ankommt. Alle Langstreckenzüge, mit denen ich in Kasachstan und Usbekistan unterwegs war, sind von einer Russischen Stadt losgefahren und waren daher russische Züge. Wenn man aber mit einen Zug aus China anreist, werden die Züge vermutlich Chinesische  und dementsprechend unterschiedlich sein.

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