Kategorie: Transsibirisches Abenteuer
pix Wie wirke ich russischer und souveräner? Tipps und Tricks für die Fahrt

Zugfahren in Russland und im postsowjetischen Raum 

Theorie vs. Praxis: Packen und Planung

Die Reiseroute ist festgelegt, etliche Zugtickets gebucht. Nun steht man ratlos vorm offenen Kleiderschrank und starrt hinein. Was soll man für eine Reise durch mehrere Zeitzonen, Länder und dementsprechend unterschiedliche Klimabedingungen einpacken?

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Als ich Ende April am Ufer des noch halb gefrorenen Baikalsees stand und ein eisiger Wind mir ins Gesicht blies, war ich für meine wollig warme Unterschicht wirklich dankbar. Foto: Eli

Beginnen wir bei der Menge an Gepäck, die man mitnehmen sollte. Mein Reiseführer rät, alles, was man mitnehmen möchte, aufzulegen, dann die Hälfte davon einzupacken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich nach diesem Auswahlverfahren noch immer zu viel Gepäck hatte.

Kleidung

Auf meiner Reise musste ich sowohl mit Schneefall als auch mit 30 Grad plus rechnen. Am besten ist es, die Bekleidung auf ein Minimum zu reduzieren und einfach öfter mal etwas waschen. Man kann bei Bedarf noch Kleidungsstücke dazu kaufen, z.B. in China, wo alles spottbillig ist.

Es ist auch eine gute Idee, sich monatliche Klimatabellen für die Länder anzusehen, die man bereisen möchte. Wenn man länger in Russland verweilen will und nicht im Hochsommer anreist, würde ich ein Set lange Unterwäsche empfehlen.

Strickwaren per Post

Man kann immer wieder unnötig gewordene Kleidung mit der Post oder einem Paketdienst nach Hause schicken, so wird das Gepäck um einiges leichter. Es empfiehlt sich jedoch, beim Hostelpersonal nachzufragen, ob sie zumindest das Bestimmungsland auf dem Paket in der jeweiligen Landessprache drauf schreiben könnten.

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Meine treusten Begleiter: die Trekkingschuhe. Foto: Eli

Andere Dinge außer einem tollen Riesenrucksack und qualitativen Trekkingschuhen, die im Gepäck nicht fehlen sollten

  • Sprachführer Russisch/Chinesisch, je nach Aufenthaltsdauer

ODER

  • visuelles Wörterbuch. Für Reisen durch viele verschiedene Länder sehr praktischen; diese Hilfsmittel erleichtern mittels kleinen Bildchen zu Themen wie „Unterkunft“, „Transport“, oder „Essen“ die Kommunikation ohne Sprachkenntnisse. Z.B. das Ohne-Wörter-Buch von Langescheidt oder die Backpacker Dictionary App.
  • Dokumente: Pass- und Visakopien, ausgedruckte Zeitzonenkarte und Umrechnungskurse relevanter Währungen. Selbst wenn die Kurse später nicht mehr genau stimmen werden, eine vage Ahnung des Wertes der örtlichen Währungen ist sehr praktisch.
  • Russen tauschen im Zug Schuhe gegen Schlapfen. Am besten aus Plastik, aber KEINE Flip-Flops! So trocknen sie schnell wenn das Klo mal spritzt und sind auch mit Socken tragbar. Authentisch russische Hausschuhe sind auf vielen Bahnhöfen und Märkten erhältlich!
  • Der Russe trägt auf längeren Zugreisen einen (meist) öffentlichkeitstauglichen Pyjama/Jogginghosen.
  • Händedesinfektionsmittel oder hygienische Reinigungstücher -die Seife wird wie das Klopapier ausgehen.
  • Fotos von zuhause und den Liebsten. Mein Reiseführer empfahl mir das, angeblich sehen sich Chinesen sehr gerne Fotos an. Mittels Fotos kann man trotz Sprachbarriere gut von sich erzählen.
  • Außerdem würde ich noch Ohrenstöpsel (ermöglichen bei allen Lautstärken guten Schlaf), einen kleinen Tagesrucksack, ein Reisenecessaire mit Haken zum Aufhängen (z.B. Jack Wolfskin), und einen Geldgürtel, damit Bargeld nie unbeaufsichtigt im Abteil rumliegt, mitnehmen.
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Klopapier mitzubringen ist immer eine gute Idee. Foto: flickr/katieklynn

Das Kyrillische Alphabet, ein Pluspunkt!

Es ist auch wirklich von Vorteil, das Kyrillische Alphabet zu können, wenn man länger in Russland oder GUS Ländern verweilen möchte: einfach selbst ein bisschen studieren. In Kasachstan und Usbekistan, und sogar in der Mongolei, sind die meisten Dinge nach wie vor auf Kyrillisch beschriftet.

Essen: Eine kleine Geschichte zum gut vorbereitet sein

Als ich im Zug von Moskau nach Jaroslawl saß, packte ein Russe sein mitgebrachtes Lunchpaket aus. Ein halbes Backhuhn, Tomaten, Brot, Gurken, etc.. Er schnitt die Gurken in Hälften. Dann holte er eine weiße Medikamentendose hervor, und verteilte das Pulver, das aus der weißen Dose kam, über die Gurkenhälften.

Salz!

Der Russe bot mir sein Essen an. Ich war hungrig und nahm mir etwas, aß aber kein Huhn. Das fiel dem Russen auf.

Ob ich kein Hühnchen mochte?

Ich erklärte, ich sei Vegetarierin.

„Vegetarian, vegetarian“ murmelte er in seinen Bart. Dann kramte er wieder in seiner Plastiktüte. Es erschienen ein halber Kohlkopf und ein Plastikdöschen mit orangefarbenem Inhalt.

„Vegetarian“, sagte er fröhlich als er mir Kohlkopf und Karottensalat überreichte.

Essen im Zug: wie stelle ich das an?

Man kann nicht immer so gut vorbereitet sein wie dieser vorbildliche Russe, aber es ist nicht so schwierig wie man vielleicht glaubt…

Die Tasse ist DAS Multifunktionswerkzeug das auf alle Fälle im Gepäck sein muss. Man kann hiermit mitgebrachten Tee oder Instantkaffee sowie Fertigsuppen genießen.

Der beste Freud des Transsibirischen-Eisenbahnreisenden heißt Samowar. In jedem Waggon gibt es einen, der zu jeder Tageszeit kochendes Wasser bereit hält, um Fertignudeln oder die russische Version davon, Instantkartoffelpüree, aufgießen zu können. Solche Fertiggerichte sind normalerweise beim Provodnik/Provodniza-also dem/der WagenschaffnerIN-erhältlich.

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Im Speisewagen kann man sich auch etwas zu essen besorgen. Das vegetarische Angebot ist allerdings begrenzt. Foto: Eli

Essen und Business-Babuschkas am Bahnsteig

In fast allen Stationen, in denen der Zug hält, wird frisches Essen vorwiegend von Babuschkas am Bahnsteig verkauft (Vorsicht: kommt auf die Größe des Bahnhofs, aber auch Jahres- und Tageszeit sowie Aufenthaltsdauer an). Das Angebot kann gekochte Eier, Tomaten, Brot, Obst und Fleischwaren umfassen.

Am Bahnsteig gibt es auch meistens kleine Läden, auf Russisch „Magazin”, die alles Mögliche verkaufen.

Warnung: vor Verlassen des Zuges immer auf den Fahrplan schauen oder erkundigen, wie lange der Zug in der Station hält.

Zu guter Letzt: offizielle Regeln und ungeschriebene Etikette:

  • Der Provodnik/die Provodniza ist der Hausherr/die Hausherrin.  Es gilt diese nicht zu verärgern.
  • Die, die oben schlafen dürfen ihr Bett zuerst machen. Dann kommen die unteren Betten dran.
  • Man sitzt und unterhält sich während des Tages auf den unteren Betten, selbst wenn man oben schläft.
  • Bei Verlassen des Zugs ist das Bettzeug 30 Minuten vor Ankunft in der Station abzunehmen. Man bringe es mitsamt dem gebrauchten Handtüchleins dem Provodnik/der Provodniza.
  • Essen teilt man! Es ist unhöflich, Essen zu verweigern. Zumindest probieren!

So, jetzt ist man mal für den Zug vorbereitet: aber wo übernachten, wenn man nicht in Zug schläft?

Nächste Woche geht’s weiter…

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