Kategorie: Abenteuer, Reiseblogger des Monats
pix Reiseblogger des Monats: Aylin & Stefan von Today We Travel

Wenn uns das Reisen aus unserem gewohnten Umfeld reißt, ist eine gewisse Nachdenklichkeit und (süße) Schwermut vorprogrammiert. Schließlich gerät man dabei in Situationen und begegnet Menschen, die einen dazu bringen, eingefahrene Erwartungshaltungen neu zu überdenken.

Diesen wunderbar philosophisch scharfsinnigen Ansatz zeichnet Aylin und Stefan von Today We Travel aus, unsere Reiseblogger des Monats. Sie eine Soziologin/Kulturwissenschaftlerin, er ein ehemaliger Student der Sprachen, beide gemeinsam ein wunderbares Team auf ihren Reisen um den Globus. Im tripwolf Interview erzählen sie uns über menschliche Mitbringsel, ihr Flughafen-Experiment im Stil des Films “Terminal”, und blutrünstige Bettwanzen.

 
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Stefan und Aylin auf einer Sanddüne (Vietnam)

 

Wie würdet ihr euren Stil zu Reisen in 5 Wörtern bezeichnen?
Spontan. Langsam. Low Budget. Wissensdurstig. Unkompliziert.

Seit wann gibt es euren Blog und welchen Blogpost würdet ihr einem Erstbesucher ans Herz legen?
Stefan: Unser Blog startete mit unserer Weltreise im August 2013. Unsere Herangehensweise sowohl an das Reisen als auch an das Schreiben wird im Artikel Destination: Unknown meiner Meinung nach gut deutlich.
Aylin: Ich empfehle den Artikel Schwere Lasten. Steile Abgründe. von unserer Tour zu einem Schwefelsee auf Java. Wir wollen auf unserem Blog vor allem subjektive Empfindungen zeigen. Das ist uns in diesem Reisebericht ganz gut gelungen, denke ich.

Ein ehemaliger Sprachstudent und eine Soziologin/Kulturwissenschaftlerin – trägt euer Hintergrund zu einer gewissen Rollenverteilung auf Reisen bei?
Puh, wir haben als reisendes Paar sicher eine Rollenverteilung unterwegs, die hängt aber mehr an unseren Persönlichkeiten, als am Studienhintergrund. :-) Durch unseren Studienhintergrund haben wir vielleicht eine “sozialwissenschaftliche Brille” auf, hinterfragen Vieles. Stefan interessiert sich vor allem für Globalisierungsthemen und gesellschaftlichen Wandel, Aylin für Migration und soziale Ungleichheiten.

Eure Liebe zur Literatur fließt immer wieder in Form von literarischen Anspielungen in Reiseberichte ein: welches Buch gibt am ehesten eure Vorstellung vom Reisen wieder?
Der Philosoph Alain de Botton beschreibt in seinem Buch “Kunst des Reisens” verschiedene Aspekte des Unterwegs-Seins: (falsche) Erwartungen an die Reise, die Wahl des Fortbewegungsmittels und der Reisedestination. Dabei stellt er immer das reisende Subjekt ins Zentrum. Ist die Welt plötzlich in Ordnung, nur weil ich unter einer Palme sitze? Was bedeutet es, die Erhabenheit der Natur zu spüren? Kann ich überhaupt richtig reisen, wenn ich von einer Sehenswürdigkeit zur Nächsten hetze? In vielen Gedanken Alain de Bottons finden wir uns wieder.

 
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Aylin in Bakhtapur (Nepal)

 

Gibt es einen Ort, an den ihr gerne wieder mal zurück möchtet (mit mehr Zeit im Gepäck)?
Stefan: Procida, eine Insel vor Neapel. Die Idylle dort ist etwas ganz Besonderes.
Aylin: Die Berge des Himalayas haben es mir angetan, dort kann man nämlich die besagte Erhabenheit der Natur spüren.

Gegenfrage: gibt es einen Ort, an den ihr nie wieder wollt?
Da sind wir uns einig: Jakarta. Eine Stadt, die für Fußgänger nichts übrig hat, passt nicht zu uns.

Eine Kurzbeschreibung der schrägsten Reise/Destination bisher?
Ein wenig schräg war unser Flughafenexperiment. Flugpreise führten dazu, dass wir 36 Stunden am Flughafen Singapur verleben mussten. Zum Glück gab es ein Kino, einen Schmetterlingsgarten und “Snooze Chairs”. Wir haben sogar Fleecedecken bekommen.

Gibt es ein kulturelles Missverständnis, das euch jetzt noch peinlich ist?
Glücklicherweise enden kulturelle Missverständnisse selten peinlich – unsere Erfahrung ist, dass beide Seiten meist sehr tolerant sind und ein Lächeln über fast alles hinweg hilft.

Was war die bisher unbequemste Nacht auf euren Reisen?
Stefan: In unserer ersten Nacht in Jakarta dröhnte “Red Red Wine” aus einer Karaokebar, während sich blutrünstige Bettwanzen auf unseren verschwitzten Körpern ausbreiteten. Das kann man schon als unbequem bezeichnen.
Aylin: Das ist auch meine Nummer 1 der unbequemen Nächte. Nummer 2 ist eine 7-stündige Nachtfahrt auf einem Fischerboot, auf der ich seekrank war und mich drei Mal übergeben musste. Achja, und mit Magen-Darm 15 Stunden Bus fahren ist auch nicht empfehlenswert :-)

 
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Stefan auf Koh Tao (Thailand)

 

Welche Superkraft würdet ihr besitzen?
Aylin: Zeitreisen. Ich liebe futuristische Architektur, schaue gerne Sci-Fi Filme (vor allem Dystopien) und würde gerne mal sehen, wohin sich unsere Welt in 100, 500 oder 1000 Jahren entwickelt.
Stefan: Die Fähigkeit, ein Mal Gelesenes nicht wieder zu vergessen. Den Satz “Irgendwo habe ich darüber schon mal was gelesen”, hört man von mir leider häufig.

Was ist das außergewöhnlichste Mitbringsel, das ihr von einer Reise mitgenommen habt?
Aylin: Das ist Stefan. :-) Wir haben uns vor ein paar Jahren in Mexiko kennengelernt.
Stefan: Ich habe eine Zeit lang in Disney World in Orlando (USA) als “typisch deutscher Brezelverkäufer” gearbeitet. Meine Arbeitskleidung, eine zünftige Lederhose und die Krawatte mit Edelweißmotiv, musste ich einfach mitnehmen.

Ein komplett unterschätztes Reiseziel ist…
Stefan: Europa. Manche denken, das Unbekannte sei nur in Indien, Peru oder Asien zu finden. Dabei gibt es in unseren Nachbarländern schon so viel Aufregendes zu entdecken. Und manchmal reicht schon ein Spaziergang in den nächsten Stadtteil dafür aus.
Aylin: Bus- und Zugfahrten. Erstens verbringt man als Individualreisender quantitativ viel Zeit in Bussen, Zügen, an Haltestellen… Zweitens sind das meist die besten Momente für Reflexion. Man ist in einem Zwischenraum – kann die vergangenen Erlebnisse reflektieren und über das Kommende sinnieren.

 
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Aylin im Himalayagebirge (Nepal)

 

3 Dinge, die ihr immer im Handgepäck habt?
Aylin hat seit Neuestem eine Trillerpfeife dabei. Benutzt hat sie sie nur einmal am Flughafen in Kathmandu zu Vorführzwecken, da die Leute an der Kontrolle dieses “Tool” nicht kannten. Stefan sieht immer zu, dass er ein “Backup-Snickers” dabei hat. Bei Hunger wird er sonst zur Diva.

Gibt es etwas was ihr auf Reisen verabscheut?
Stefan: Wenn Reisende ein Land binnen kürzester Zeit komplett verstanden haben wollen und dann Sätze sagen wie: “Da sind DIE einfach noch nicht so weit.”
Aylin: Kakerlaken. Und Mückenstiche.

Was war die merkwürdigste Speise, die ihr je aufgetischt bekommen habt?
Frisch gekochter Wasserbüffel. Auf Sulawesi (Indonesien) besuchten wir eine Beerdigung der Toraja. Dort werden zu Ehren des Verstorbenen Schweine und Büffel geschlachtet. Uns wurde die Ehre zu teil, vom Wasserbüffel zu kosten – der frisch abgetrennte Kopf des Tieres lag keine 10 Meter entfernt.

Gab es schon einmal eine Situation auf einer Reise, in der ihr so richtig Angst bekommen habt?
Aylin: Als ich meine Kontaktlinse auf einem Trek im Himalaya verlor, war mir schon etwas bang. Wir waren bereits auf über 4000m Höhe und vor uns lag eine ziemlich steil abfallende Schneedecke, die wir überqueren mussten. Das wollte ich nicht unbedingt ohne mein Augenlicht machen. Das Ganze ging zum Glück gut aus.
Stefan: Als wir mit Yeti Airlines von Lukla nach Kathmandu an einem stürmischen Tag flogen, schüttelte der Wind die 14-Mann Propeller Maschine mächtig durch. Da hab ich mich kurz damit beschäftigt, keinen Herzkasper zu kriegen.

 
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Marktstand in Hoi An (Vietnam)

 

Was oder wer inspiriert euch beim Reisen?
Vielleicht unsere größten Reisemotive: Die Grenzen der eigenen Komfortzone übertreten, um gestärkt daraus hervorzugehen. Das macht uns optimistisch. Und die Welt ein wenig mehr verstehen lernen.

Das beste Frühstück der Welt gibt es…
Aylin: Bei meiner Mama in Bremen!
Stefan: Überall, wo ich ‘nen gescheiten Kaffee bekomme. Der ist die halbe Miete für ein gutes Frühstück.

Was steht für 2014 noch auf dem Plan?
Südamerika: in den kommenden Monaten werden wir von Kolumbien nach Argentinien reisen.

Die wichtigste Erfahrung, die ihr unterwegs gewonnen habt:
Aylin: Dass Zeit unser höchstes Gut ist. Zeit zum Reisen, Essen, Schlafen, Reden, Nachdenken. Zeit etwas tun zu können, aber nicht zu müssen. Das ist sehr wertvoll und unbezahlbar.
Stefan: Alles wird gut. “Das kriegen wir schon hin” ist schon fast mein Lieblingssatz geworden.

Blog: Today We Travel
Facebook: https://www.facebook.com/todaywetravel

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5 Comments

  1. Viola
    Posted 24. Juli 2014 at 22:04 | Permalink

    Hach, da kann man wirklich stolz sein, euch auf der Reise begegnet zu sein :-).

    Liebe Grüße,
    Viola

  2. Posted 25. Juli 2014 at 09:26 | Permalink

    Sehr cooles Interview, vielen Dank.
    Das Reiseblog kannte ich noch gar nicht. Eine Schande.

    Liebe Grüsse,
    Simon

  3. Posted 25. Juli 2014 at 14:22 | Permalink

    Sehr schönes Interview.

    Nachdem ich euer Interview gelesen habe, musste ich erst einmal über einige Sachen nachdenken. Vielen Dank dafür.

    Viele Grüße
    Nils

  4. Posted 4. August 2014 at 20:21 | Permalink

    Ganz lieben Dank für die tollen Kommentare!

    Wir freuen uns immer sehr, wenn unsere Texte und Bilder gefallen finden! So ein Reiseblog lebt ja auch von der Interaktion :-)

    Liebe Grüße, Aylin & Stefan

  5. Posted 9. August 2014 at 04:21 | Permalink

    Hallo zusammen,

    Vielen Dank für die Blumen :) wir freuen uns riesig darüber!

    LG Aylin & Stefan

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